Nachdem wir uns schweren Herzens von Thailand verabschiedet hatten, fuhren wir mit dem Bus los in Richtung Laos, wo wir die nächsten zwei Wochen unserer Reise verbringen werden.
Die Einreise verlief überraschend reibungslos und wir schafften es, nach der Grenze (die der Bus nicht überqueren durfte) unseren Bus nach Luang Namtha zu erwischen. Zu unserer Überraschung handelte es sich dabei nicht um einen normalen Bus, sondern um einen Schlafbus. Und zwar nicht irgendeiner, sondern gleich der VIP Bus. Wobei wir uns nicht ganz sicher sind, ob die Buchstaben in Laos wirklich dieselbe Bedeutung haben wie bei uns. Der Bus hatte keine verstellbaren Sitze oder gar Betten, sondern einfach knapp 2 Quadratmeter grosse, minim gepolsterte Flächen, worin man es sich zu zweit bequem machen durfte. So kam Marina wenigstens bereits am ersten Tag auf ihre Wochenration kuscheln. Was wünscht man sich auch mehr bei rund 30 Grad, stickiger Luft und holprigen Strassen 😅.


Einigermassen pünktlich kamen wir in Luang Namtha an und durften ein erstes Mal Bekanntschaft mit der laotischen Gastfreundschaft im Transportsystem machen. Der Busbahnhof liegt nämlich nicht im Dorf, sondern etwa 15 Autominuten ausserhalb, wo schon ein Tuktuk-Fahrer wartet und exorbitante Preis für die Fahrt ins Zentrum verlangt. Da leider weit und breit kein anderer Fahrer war, hatten wir keine andere Wahl als einzusteigen.
Luang Namtha
Im Hotel angekommen waren wir positiv überrascht, denn das Hotel war für umgerechnet etwa 9 Franken pro Nacht echt in Ordnung. Wir begaben uns auf Geld- und Nahrungssuche und gingen nach diesem langen Tag bei Zeiten ins Bett.
Luang Namtha selbst hat nicht allzu viel zu bieten. Die Hotels und Restaurants sind alle sehr einfach und das Wenigste davon ist schon online zu finden. So mieteten wir uns am nächsten Tag ein paar Velos, um die umliegende Natur zu erkunden, was sich echt gelohnt hat. Die Aussicht auf die Reisfelder und Kautschukplantagen war echt sehenswert. Als wir eine kurze Fotopause eingelegt haben, hat ein Laote mit seinem Roller angehalten, um mit uns etwas Englisch zu reden und üben. Das war ganz herzig und Kevin hat nun einen Instagram-Freund fürs Leben ❤️.

Bei einem Zwischenstop für einen Kaffee durften wir dann ein erstes Mal mit der laotischen Trinkkultur Bekanntschaft machen. Wer kann ihnen das Daydrinking verübeln, wenn das grosse Bier (640ml) nicht mal einen Franken kostet im Restaurant. Auf der Fahrradtour besorgten wir uns zudem noch die bisher günstigsten SIM-Karten. Für knapp 4 Franken erhielten wir zwei SIM-Karten mit unlimitiertem Internet. Am Abend beschäftigten wir uns dann vorwiegend mit der Weiterreise, was sich als schwieriger herausstellen sollte, als wir gedacht hatten.

Wir wollten etwas im Norden bleiben und hatten als nächste Destination Nong Khiaw auserkoren. Einen direkten Bus nach Nong Khiaw gab es allerdings nicht. Und bei dem Bus, bei dem man einmal hätte umsteigen müssen, wussten sie nicht mit Sicherheit, ob der Bus denn auch wirklich fährt. Also planten wir das Ganze um und peilten die Touristenhochburg Luang Prabang an. Online fanden wir heraus, dass es seit einigen Monaten einen von den Chinesen finanzierten Schnellzug von der Grenze zu China bis in die Hauptstadt Vientiane gibt. Jedoch findet man online weder Fahrpläne noch Preise. Die Tickets können maximal 2 Tage im Voraus gekauft werden und das grundsätzlich nur am Schalter der Zugstation. Weil sämtliche Bahnhöfe rund 30-40 Minuten ausserhalb der Städte gebaut wurden, ist man deshalb auf einen Tourenanbieter angewiesen, der einem die Tickets organisiert. Selbst lohnt es sich nicht, mit dem Taxi nur für die Tickets hin- und zurückzufahren und wegen der begrenzten Sitzplätze ist es eine Lotterie, am Tag der Zugfahrt einfach hinzufahren und auf einen Platz zu hoffen. So bezahlten wir also auch für den zweiten Transport in Laos deutlich zu viel, weil wir keine Alternative hatten.
Der Bahnhof selbst erinnert dann mehr an einen kleinen Flughafen als an einen Bahnhof, inkl. Sicherheitskontrollen am Eingang. Der Zug war dann sehr modern und absolut vergleichbar mit europäischen Zügen. Die Fahrt dauerte mit etwas über einer Stunde dann auch massiv weniger lang als dieselbe Strecke mit dem Bus (6-7 Stunden), weshalb sich die Investition schlussendlich trotzdem gelohnt hat.
Luang Prabang
Luang Prabang ist eine der Haupt-Touristendestinationen in Laos, weshalb wir uns darauf eigentlich mässig gefreut hatten. Doch vom ersten Moment an, hat uns die Stadt super gefallen. Der französische Einfluss ist vor allem bei der Architektur sichtbar und es wimmelt von herzigen Cafes und Restaurants. Zudem ist die Stadt umgeben vom Mekong und Nam Khan River, was ihr zusätzlichen Charme verleiht.

Am ersten Abend gönnten wir uns eine Pizza und sprengten damit ein erstes Mal unser Budget in Laos. Am Folgetag mieteten wir uns dann einen Roller, schauten uns den Wat Xieng Thong Tempel an, brachten unsere Wäsche in die Reinigung und besuchten zum Sonnenuntergang einen Aussichtspunkt.

Leider waren wir nicht die Einzigen beim Aussichtspunkt und es hätten kaum mehr Menschen auf den Hügel gepasst. Schön wars trotzdem. Anschliessend schlenderten wir durch den Nightmarket, der uns aber mässig begeisterte, so dass wir uns nur mit ein paar Snacks versorgten und danach in ein lokales Restaurant essen gingen.

Am zweiten Tag besichtigten wir dann die etwa 45 Minuten ausserhalb gelegenen Wasserfälle „Kuang Si“. Wir waren zum Glück vor dem grossen Ansturm schon da und konnten die Wasserfälle voll und ganz geniessen.

Die türkise Farbe des Wassers war echt traumhaft. Vom grossen Hauptwasserfall liefen wir etwas weiter hoch, weg von den anderen Besuchern.

Oben angekommen war es sehr idyllisch und abgesehen von ein paar Südafrikaner, die wir später noch ein paar Mal treffen sollten, waren wir allein und konnten die Umgebung in vollen Zügen geniessen.

Auf dem Rückweg gingen wir dann etwas typisch Laotisches essen – Baguette-Sandwiches. Die findet man nämlich dank den Franzosen an jeder Strassenecke und wussten immer zu überzeugen. Am nächsten Tag ging es dann schon weiter nach Nong Khiaw.
Nong Khiaw
Der Touranbieter, über den wir den Transport nach Nong Khiaw gebucht haben, hatte uns zugesichert, dass wir um 08.15 Uhr abgeholt werden und innerhalb von etwa 3 Stunden in Nong Khiaw ankommen sollten. Erstaunlicherweise wurden wir auch pünktlich abgeholt, allerdings nur um an den Busbahnhof zu fahren und dort bis um 11.00 Uhr zu warten, bis wir dann tatsächlich losfuhren. Sowohl der Busfahrer als auch der Touranbieter via Telefon bekamen von Kevin ein paar nette Worte zu hören. Im Bus trafen wir dann wieder auf die Südafrikaner, die wir schon in Luang Prabang gesehen hatten. In Nong Khiaw angekommen, wussten wir, dass sich das Warten am Busbahnhof wenigstens gelohnt hatte.

Unser Hotel hatte eine schöne Aussicht auf den Fluss und am Abend machten wir uns dazu auf, den Aussichtspunkt „Pha Daeng“ in der Nähe zu besuchen. Die rund einstündige Wanderung hat sich echt gelohnt. Die Aussicht und der Sonnenuntergang waren atemberaubend schön, die Fotos des verschwitzten Kevins leider weniger. Der Rückweg im Dunkeln war dann eine ziemliche Challenge. Nach einer ausgiebigen Dusche machten wir uns dann auf den Weg zur Happy Hour einer nahen gelegenen Bar, wo wir mit den Südafrikanern einen lustigen Abend verbrachten.

Am nächsten Tag wollten wir dann einen kurzen Ausflug auf den Fluss machen, maximal einen halben Tag. Der Touranbieter empfahl uns dann eine Flusstour hoch zu einem alten Dorf, bei der man sich Wasserfälle und Höhlen ansieht und am Schluss mit einem Kayak zurückfahren kann. Das Ganze in Verbindung mit einem englisch sprechenden Guide, der uns mehr zur Geschichte des Dorfs und den Auswirkungen des Vietnamkriegs auf Laos erzählen kann. Wir seien spätestens zwischen 14.00 und 15.00 Uhr zurück. Hörte sich gut an. Leider war der Guide rund 70 Jahre alt und sprach ca. 15 Wörter Englisch. Dementsprechend schleppend ging es voran. Glücklicherweise war die Gruppe Südafrikaner auch auf der Tour und wir hatten es trotzdem lustig.

Zuerst besuchten wir ein laotisches Dorf, welches man mit dem Boot innerhalb von etwa 2 Stunden erreicht. Mit einem vernünftigen Boot wohl schon in 30 Minuten, aber was solls. Auf dem Weg dorthin haben wir viele Wasserbüffel beim morgendlichen Bad beobachtet und konnten die schöne Landschaft geniessen. Im Dorf selbst, wanderten wir zuerst zu einer Höhle und danach zu einem Aussichtspunkt.

Da der Touranbieter uns gesagt hat, dass wir nicht wandern gehen würden, waren wir mit Adiletten und Birkenstocks etwas gar schlecht ausgerüstet. Für die Aussicht und die beeindruckend grosse Höhle (wo sich Laoten während der andauernden Bombardements der Amerikaner versteckt hielten) hat es sich trotzdem gelohnt.

Als uns der Guide dann um 15.00 Uhr sagte, dass wir nun noch etwa eine Stunde zum Wasserfall laufen müssen und wieder eine Stunde zurück, haben wir das Unterfangen abgebrochen und sind zurückgekehrt. Auch ohne diesen 2.5-stündigen Ausflug zu den Wasserfällen, war es nach 17.00 Uhr, bis wir schlussendlich zurück waren. Gelohnt hat es sich trotzdem, aber es wäre halt schön, manchmal einfach von Anfang an zu erfahren, was einen erwartet.

Am nächsten Tag gings dann zurück nach Luang Prabang. Allerdings nur für einen kurzen Zwischenstop, denn am Folgetag gings weiter nach Vang Vieng. Also bestand unser Tag in Luang Prabang primär aus Kaffee trinken, essen, ins Gym gehen und Tickets für den Zug organisieren.

Im Gegensatz zu anderen Orten, hat es in Luang Prabang tatsächlich ein offizielles Büro der Zuggesellschaft. Als wir nach Tickets fragten, hatte sie allerdings keine mehr (Anmerkung: der Zug war halb leer) und wir mussten uns diese wieder über irgendeinen Anbieter zu überteuerten Preisen organisieren. Neeeerviiiig!
Vang Vieng
Vang Vieng war eine Zeit lang sehr bekannt für seine Fluss-Parties. Hunderte junge Leute liessen sich auf Booten, Schwimmringen und Luftmatratzen aller Art betrunken und unter Drogen den Fluss hinabtreiben. Nach einigen Todesfällen wurde das Ganze verboten, seitdem ist es deutlich ruhiger und Corona trug dann sicher auch noch seinen Teil dazu bei, dass dort eigentlich nicht mehr allzu viel los ist. Die Stadt hat generell eher wenig Charme, kaum Cafes und wenig empfehlenswerte Restaurants. Vieles, was man auf Google Maps noch finden konnte, ist inzwischen geschlossen. Dennoch sollte die Umgebung einiges zu bieten haben.

Am ersten Tag mieteten wir uns einen Roller und erkundeten die Gegend ein wenig. Im Nachhinein wären wir lieber in eine andere Richtung losgefahren. Die Gegend war zwar schön, aber nicht allzu spektakulär und die Strassen eine einzige Katastrophe. Über den Mittag testeten wir ein kleines laotisches Restaurant. Obwohl es mehr nach Imbiss aussah, war das Essen wirklich gut. Zum Sonnenuntergang besuchten wir dann einen Aussichtspunkt namens «Nam Xay». Der Sonnenuntergang war in Ordnung, aber die Aussicht auf die umliegenden Berge war sensationell. Zudem war der Aussichtspunkt nicht total überlaufen, sodass wir es echt geniessen konnten. Vor Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den kurzen, aber ziemlich anspruchsvollen Abstieg und gingen gleich nochmal ins selbe Restaurant essen (die Alternativen waren wirklich überschaubar und im Restaurant lebte ein kleiner Welpe – wenn das kein Grund genug ist ❤️).

Am nächsten Tag gingen wir dann frühzeitig los, um ein wenig Zeit an einer Lagune (Blue Lagoon 3) zu verbringen. Die Fahrt mit dem Roller dauerte rund 45 Minuten und hat sich wirklich gelohnt. Da die meisten Touristen die näher gelegenen Lagunen besuchen, waren wir praktisch allein. Der Eintrittspreis war fair und man konnte alle möglichen Sachen gratis nutzen (Schwimmringe, Kanus und irgendwelche Seile um ins Wasser zu schwingen). Am Tarzanseil hat sich Marina dann – elegant wie sie ist – versucht und bestimmt für einige Lacher gesorgt.

Wir merkten dann allerdings auch, wieso die meisten wohl die lange Fahrt vermieden. Wir fingen uns nämlich auf der mehrheitlich unbefestigten Strasse einen Platten ein. Glücklicherweise fanden wir relativ schnell jemanden, der den Reifen zumindest soweit reparierte, dass wir damit zurückfahren konnten.

Das war wichtig, denn kurze Zeit später wurden wir auch schon abgeholt für unsere erste Ballonfahrt. Gemeinsam mit einem schweizer und einem deutschen Pärchen fuhren wir in die Region des Aussichtspunkts vom Vortag und wurden dort über die wichtigsten Verhaltensregeln informiert. Danach gings dann auch schon los.

Auf den ersten Metern erwischten wir gleich einen ziemlich starken Windstoss, so dass der Ballonfahrer die ersten Minuten sehr tief fliegen musste, damit wir nicht gleich zu weit weggetrieben werden und bald wieder landen mussten. So streiften wir anfangs einige Baumkronen, bevor wir dann nach einigen Minuten an Höhe gewannen und die unfassbar schöne Aussicht geniessen konnten.

Zuletzt landeten wir in einem Reisfeld und mussten dann noch einige Meter zu Fuss weiter. Auch wenn die Heissluftballonfahrt unser Budget etwas gesprengt hat, war es fast das schönste Erlebnis in Laos.

Am nächsten Tag ging es dann mit dem Bus schon wieder weiter zu unserer letzten Station, die Hauptstadt Vientiane.
Vientiane
Die Fahrt nach Vientiane dauerte etwas überraschend nur rund 1.5 Stunden. Dies dank einer relativ neu errichteten Autobahn. Wie wir bei der Mautstation feststellten, auch ein Werk der Chinesen. Auch hier wurden wir selbstverständlich wieder nicht am vereinbarten Ort abgesetzt, sondern irgendwo etwas ausserhalb des Zentrums, so dass auch die Tuktuk-Fahrer noch den einen oder anderen Touristen abgreifen konnten. Nicht mit uns, wir liefen den Weg zum Hotel lieber.

Die Stadt selbst ist nichts Spezielles und hat kaum Sehenswürdigkeiten. Es hat eine Art Triumphbogen, ein paar kleinere Tempel und etwas ausserhalb der Stadt einen Buddha Park. Wir nahmen es deshalb gemütlich und beschäftigten uns mit Kaffeetrinken, gingen ins Gym, schrieben am Blog und begaben uns auf Stellensuche. An beiden Tagen mieteten wir jeweils Velos. Einmal um den Triumphbogen zu besichtigen und am zweiten Tag für die Tempel. Und weil unser Hotel vergessen hatte, unsere Wäsche in die Reinigung zu bringen, machten wir uns am nächsten Tag mit unseren Rucksäcken voller Dreckwäsche auf den Weg Richtung Flughafen, um nach Vietnam weiterzureisen.

Laos hat unglaublich schöne Landschaften und ist an vielen Orten noch herrlich unberührt. Auch der Abfall hält sich verglichen mit anderen Ländern, wie zum Beispiel Indonesien in Grenzen. Jedoch ist das Herumreisen echt kräftezehrend und mühsam. Man findet online kaum Informationen und ist auf Touranbieter angewiesen, die einem irgendwelchen Quatsch versprechen, Hauptsache sie können dir etwas verkaufen. So bezahlt man schlussendlich für alle Transporte fast das Doppelte und hat erst noch einen riesigen Aufwand, diese zu organisieren. Wir waren deshalb zum ersten Mal froh, weiterzureisen.
Autor: Kevin


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