Am 30. Januar nahmen wir Abschied von Argentinien und schnappten uns einen Direktflug nach Bogota. Kolumbien sollte unser letztes Land auf dem südamerikanischen Kontinent werden.
San Andres
Wirklich angefangen hat unsere Reise durch das bunte und verrückte Land ganz im Norden, auf der Insel San Andres. San Andres liegt etwa 2 Flugstunden von Bogota entfernt, mitten in der Karibik. Geografisch gesehen, liegt San Andres näher bei Nicaragua als Kolumbien. Der Flughafen von San Andres befindet sich mitten auf der Insel, sodass man von dort aus zu Fuss ins Stadtzentrum laufen könnte.
Da unser Hotel aber etwas ausserhalb gelegen ist, machten wir uns mit dem Taxi auf den Weg. Nachdem wir ca. 30 Minuten gewartet haben, bis wir den Eincheck-Prozess starten konnten, mussten wir nach weiteren 30 Minuten feststellen, dass wir gar keine Buchung hatten für das Jahr 2022 sondern für die gleiche Woche im Jahr 2023. Daher mussten wir spontan eine andere Unterkunft auf der Insel finden. Als das Hotelschlamassel gelöst war, haben wir uns daran gemacht, einen mietbaren Roller zu finden. Bei der Übergabe hat sich Kevin nach Helmen erkundigt, worauf der Vermieter in schallendes Gelächter ausgebrochen ist. Helme haben auf der Insel effektiv nur Polizisten getragen. Naja, dann mussten wir halt einfach vorsichtig fahren.
Daraufhin haben wir uns daran gemacht, die Insel zu erkunden. Und unser Fazit lag schnell vor. Nette Karibikinsel sowie viele Kolumbianer im Urlaub ergeben eine unterhaltsame Mischung. Egal wo, ob am Strand oder in der Innenstadt, es dröhnte stets laute Musik aus irgendwelchen Boxen oder es war immer etwas los.

Ursprünglich wollten wir eigentlich auf die benachbarte, ruhigere Insel Providencia. Deren Strände seien ein Traum und es bieten sich gute Möglichkeiten zum Tauchen. Leider wurde diese Insel vor etwas mehr als einem Jahr von einem Wirbelsturm zerstört und aufgrund der Aufbauarbeiten, ist sie für Touristen nach wie vor geschlossen. Wir haben uns aber entschieden, dass wir unseren Tauchschein für Fortgeschrittene (PADI Advanced Open Water) dennoch machen wollen. So haben wir drei Tage lang jeweils am Morgen Tauchunterricht gehabt und konnten es uns am Nachmittag am Strand gemütlich machen (der zwar schön, aber aufgrund der vielen Menschen und dem Seegras nicht meeega idyllisch war).
Was das Tauchen anbelangt, waren wir vor allem die ersten beiden Tage etwas ernüchtert, da es zwar schon schöne Korallen hat, jedoch nur wenige, kleine Fische. Aber diesbezüglich waren wir wohl etwas verwöhnt von den Galapagos und Komodo. Am zweiten Tauchtag hatten wir unseren Tieftauchgang auf 30 Meter, wo wir gewisse Übungen erledigen mussten. So wie ich halt bin, löste der Gedanke nun auf 30 Meter zu sein, kurz Panik bei mir aus. Zum Glück hat Kevin meine Handzeichen richtig gedeutet (ah ned) und kurze Zeit später war alles wieder in Ordnung. Am letzten Tauchtag mussten wir als Übung um das Zertifikat zu erhalten, Fische identifizieren und glücklicherweise waren wir da dann auch an einem schöneren Tauchplatz mit vielen Fischen und Stachelrochen. Danach waren wir endlich Advanced Open Water Taucher!
Grundsätzlich hat uns San Andres gut gefallen. Man verpasst aber (strand- und tauchtechnisch) nicht viel, wenn man die Insel aussen vor lässt. Im Nachhinein hätten es wahrscheinlich auch 4 oder 5 Tage getan. Nach einer Woche sind wir zurück aufs Festland geflogen, wo wir endlich auf Céline getroffen sind.
Cartagena
Für die nächsten 2-3 Wochen unserer Reise hat uns meine Freundin Céline nämlich begleitet. Gestartet sind wir in der kunterbunten Küstenstadt Cartagena. Cartagena ist von einer Mauer umgeben und die Innenstadt gehört zum UNESCO-Kulturerbe und das absolut zurecht.

Die gesamte Altstadt besteht aus kunterbunten Häusern in Kolonialstil, ist wunderschön gepflegt und hat viele herzige Kafis und Restaurants. Also haben wir unsere Zeit hauptsächlich damit vertrieben, durch die schönen Gässchen zu schlendern und viele der Kafis auszutesten.

Am ersten Nachmittag haben Céline und ich auf dem Weg zur Wäscherei den Stadtteil Getsemani entdeckt, der zwar ausserhalb der Stadtmauern liegt, aber nicht minder schön ist. Auf einer Stadtführung haben wir dann erfahren, dass das früher der Distrikt der Armen gewesen sei und die Reichen innerhalb der Stadtmauern gelebt haben. Getsemani ist geziert mit Kunstwerken und Graffitis und besonders Abends ist dort die Hölle los.

So haben wir unseren letzten Abend in Cartagena damit verbracht, am Bordstein Arepas zu essen (eine Art Taschenbrot aus Mais, welches mit diversen Sachen gefüllt wird) und die Menge zu beobachten. Auf dem Hauptplatz von Getsemani haben Leute Musik gemacht, getanzt und ihre Speisen angeboten. Bei dieser Kombi konnte man fast gar nicht anders, als Land und Leute ins Herz zu schliessen.

Islas del Rosario
Von Cartagena aus haben wir uns das Schnellboot auf die Islas del Rosario geschnappt, eine Inselgruppe die etwa eine Stunde Bootsfahrt von Cartagena entfernt liegt. Auf dem Weg vom Bootssteg zur Unterkunft wurden wir gleich von einer Armee Mücken angegriffen und dieses Mal wurde nicht einmal Kevin verschont, der sonst jeweils glimpflich davonkommt. Nachdem wir unser Gepäck in der Unterkunft deponiert hatten, suchten wir den Playa Libre auf, welcher 3 Minuten von uns entfernt lag. Und so haben wir den ganzen Nachmittag am Strand verbracht und böse Zungen behaupten, Céline und ich hätten dabei einen Sonnenbrand kassiert.

Am Folgetag durchquerten wir die Insel, auf der man entweder zu Fuss oder mit dem Velo vorankommt, um einen Privatstrand namens „Gente de Mar“ am anderen Ende der Insel aufzusuchen. Um dort einen Liegestuhl für einen Tag zu erhalten, muss man pro Person für etwas mehr als 10 Fr. konsumieren, was absolut kein Problem war. Und der Strand war ein absoluter Traum, anders kann man es nicht ausdrücken.

Also haben wir die zwei restlichen Tage dort verbracht und hätten uns gewünscht, diesen schon am ersten Tag aufgesucht zu haben. In einem über-vollbeladenen Schnellboot ging`s am dritten Tag zurück nach Cartagena, wo wir nochmals eine Nacht verbracht haben.

Minca
Von Cartagena aus machten wir uns auf die Reise nach Minca. Dies ist ein Dörfchen in den Gebirgen oberhalb der Stadt Santa Marta. Zuerst führte uns die Busreise via Barranquilla (u.a. die Stadt von Shakira und Sofia Vergara) nach Santa Marta. Von dort aus brachte uns ein Taxi den kurvigen Strassen entlang nach Minca. Da Céline und ich uns eine Unterkunft mitten im Wald gebucht haben, stand uns noch eine abenteuerliche Reise mit dem Mototaxi einem vermeintlichen Wanderweg entlang bevor.

In der Unterkunft mitten im Dschungel angekommen, platzierte ich mich direkt auf der Hängematte mit Ausblick auf den Wald und die Berge. Den Platz habe ich erst wieder gewechselt, als es zu Abendessen gab. Glücklicherweise haben die Inhaber der Unterkunft, ein junges Pärchen, für sich und alle Gäste gekocht, sodass wir an diesem Tag keine weitere beschwerliche Reise zurück nach Minca unternehmen mussten. Den Abend liessen wir mit dem Superbowl ausklingen, den Céline sich unbedingt anschauen wollte.

Am nächsten Tag erkundeten wir einen Wasserfall sowie einen idyllischen Fluss in der Nähe unserer Unterkunft. Um dorthin zu gelangen, mussten wir einen steilen Abhang heruntergleiten. Am Fluss liessen wir dann kurz die Seele baumeln, bis Kevin und Céline sich einen Spass daraus gemacht haben, die Adiletten den Fluss hinaufzuwerfen und zu schauen wo sie entlangfliessen (facepalm).

Danach erklommen wir die andere Flussseite und setzten uns in ein Cafe mit Aussicht. Nachdem wir dann in Minca zu Mittag gegessen und Kevin ein Eis beschafft haben, gings zu Fuss zurück in die Unterkunft. Verschwitzt badeten wir in einem anderen Wasserfall nahe der Unterkunft, bevor ich es mir in der Hängematte wieder bequem machte.
Parque Tayrona
Am Folgetag holte uns der Bruder unseres Taxidudes in seiner Klapperkiste in Minca ab und fuhr uns in eine Unterkunft nahe dem Eingang des Tayrona Nationalparks. Beim Aussteigen mussten wir feststellen, dass ein Taxipreis noch lange nicht fix ist, auch wenn man die Zieladresse vorab genau durchgegeben hat. Wer Adressen richtig interpretieren kann, ist im Vorteil. Nach einer langen Diskussion einigten wir darauf, dass der Taxidude uns in zwei Tagen zum offiziellen Preis an den Flughafen fahren darf.
Genächtigt haben wir auf einer schönen Finca inmitten von Bäumen und während Kevin und ich geschlafen haben wie Babies, klagte Céline darüber, dass sie vom benachbarten Hahn die Hälfte der Nacht wachgehalten wurde (dafür gibt’s zuhause wieder Chicken Nuggets gell?!). Am nächsten Morgen liefen wir früh los zum Eingang des Nationalparks, um sicher vor der Eröffnung um 08.00 Uhr dort zu sein. Leider waren wir nicht ganz die Einzigen und mussten darum weit hintenanstehen. Das kombiniert mit der absoluten Unfähigkeit des Nationalparks, Tickets in einer angemessenen Zeit zu verkaufen, führte dazu, dass wir satte 3 Stunden brauchten, bis wir endlich drin waren!! Dementsprechend was die Stimmung unseres Reisetrüpplis auch nicht ausgelassen, als wir 1.5 Stunden durch den Nationalpark liefen, um zum bekanntesten Strand „Del Cabo“ zu gelangen, der aber total überlaufen war.

Es gab hin und wieder schöne Abschnitte mit Aussicht auf die Strände oder hohe Palmen, die den Weg säumten. Zudem haben wir Äffchen, Echsen und Krabbeltiere gesehen. Da wir uns nicht beim Playa del Cabo niederliessen, mussten wir ein Stück zurücklaufen, um beim Strand „La Piscina“ einen ruhigeren Fleck zu finden. Leider ist dieser Teil dann etwas kurz ausgefallen, da wir schon 3 Stunden beim Eingang verschwendet haben. Erschöpft vom Tag liessen wir uns am Abend in die Hängematte fallen.

Grundsätzlich war der Tayrona Nationalpark schon sehr schön und ich bin mir sicher, man hätte vielleicht auch mehr Tiere gesehen, wenn man sich Zeit gelassen hätte (oder aber nicht so viele Leute unterwegs gewesen wären). Aber unter diesen Umständen würden wir uns den Park nicht noch einmal antun.

Am Folgetag wurden wir wieder von Taxidude und seiner Klapperkiste abgeholt, um an den Flughafen in Santa Marta zu fahren. Kurz vor dem Flughafen begann sein Taxi dann zu rauchen und wir mussten kurzerhand ein anderes suchen. Am Flughafen angekommen schnappten wir uns die Avianca-Maschine nach Medellin.
Medellin
Wir alle haben vorab schon viel von der berühmt berüchtigten Stadt gehört und waren dementsprechend auch gespannt darauf, was sie effektiv zu bieten hat. Und wir wurden nicht enttäuscht. Insgesamt haben wir 4 Tage für die Stadt vorgesehen und wollten an einem Tag einen Ausflug ins Städtchen Guatape machen. Leider machte uns das unbeständige Wetter etwas einen Strich durch die Rechnung.
Also haben wir am ersten Tag den Mercado del Rio besucht, wo es allerlei Gutes aus aller Welt zu essen gab. Der Markt war echt schön und modern, wenn auch nicht so ganz charmant wie der San Telmo Markt in Buenos Aires. Danach ging es wegen des Regens in ein Shoppingcenter.

Am nächsten Tag hatten wir eine Stadttour mit Real City Tours gebucht, welche ich nur wärmstens empfehlen kann. Anfangs waren wir etwas skeptisch, da die Tour doch 4 Stunden dauert und wir öfters schnell mal unser Interesse verlieren. Auf dieser Tour war das anders. Wir sind an den Lippen unseres Guides Dio gehangen, als er von der Geschichte Kolumbiens und Medellins erzählt hat, wie er die Zeit, als er in den 90er Jahren in Medellin aufgewachsen ist, erlebt hat und wie sich die Stadt in den letzten Jahren entwickelt hat. Es war interessant zu hören, wie die Bevölkerung zu dem berüchtigten Verbrecher steht, denn wir kennen dessen Geschichte ja oft nur aus Serien wie Narcos, die nur teilweise akkurat sind.

Nach einem Crash-Kurs zur Geschichte von Medellin sind wir ins Stadtzentrum gelaufen und haben uns dort verschiedene Bauten und Plätze angeschaut, immer mit etwas Kontext von Dio.

Cool waren dabei vor allem die Statuen von Fernando Botero, die selbst für Laien an den lustigen Proportionen zu erkennen sind. Interessant war auch zu beobachten, wie Dio Namen wie «Escobar» oder die gewisser Politiker in der Stadt bewusst nicht ausgesprochen hat.

Abends sind wir dann jeweils ins Viertel „El Poblado“ gefahren, welches voll ist mit coolen Restaurants und Bars, aus denen jeweils ohrenbetäubende Musik dröhnte. Eines Abends haben wir uns dann noch eine Flasche Aguardiente gegönnt (der lokale Zuckerrohrschnaps mit Anis), der in Kolumbien shotweise getrunken wird. Weil wir ihn alle nicht wirklich mochten, aber eine ganze Flasche bestellt hatten, mussten wir das dann mit einem UNO-Trinkspiel lösen. Da ich im Uno oft die schlechten Karten zog, ging fast die Hälfte des Aguardientes auf mein Konto. (huere het sie schlächti Charte gha)
An unserem letzten Tag in Medellin schauten wir uns die Comuna 13 an, die heute bekannt ist für ihre Strassenkunst und Graffitis. Lange (also bis weit nach 2000) war die Comuna 13 ein regelrechtes Kriegsgebiet. Zuerst terrorisierte das Medellin Kartell das Viertel, gefolgt von Guerillas und Paramilitärs, die sich einen Gebietskampf lieferten.

Heute aber kann man die bunten Strassen und Galerien besichtigen. Unser Guide lotste uns durch die Gassen und gab uns hin und wieder auch lokale Sachen zum Probieren (ein Eis und ein komisches Kaffee/Bier Getränk). Das Highlight der Tour war, als wir selbst ein Mini-Graffiti sprayen durften. Hier weitere Eindrücke der Comuna 13:
Am Nachmittag besuchten Céline und ich noch den touristischen Aussichtspunkt Pueblita Paisa, wo man einen guten Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge hatte. Wir hatten gerade noch Glück, die Aussicht geniessen zu können, bevor es wieder zu schütten begann

Leider war das auch schon unser letzter Tag in Medellin. Die Stadt sowie die stets aufgestellten Menschen haben uns echt gut gefallen. Nach vier Tagen in Medellin konnten wir mit gutem Gewissen sagen, dass das Medellin von heute so viel mehr ist, als seine Vergangenheit.
Salento / Valle de Cocora
Keine Reise nach Kolumbien wäre komplett, wenn man nicht die Kaffeeanbauregion von Kolumbien (Eje Cafetera) besuchen würde. Eigentlich ginge es schneller, wenn man von Medellin direkt dorthin fliegen würde. Jedoch wollte ich doch noch etwas vom Land selbst sehen, also bestand ich auf eine 7-stündige Busfahrt. Die Distanz wäre nicht so gross, aber da ein langer Abschnitt der Strasse zur gleichen Zeit erneuert wurde, dauerte die Busfahrt umso länger. Spätabends sind wir in unserer Unterkunft im Städtchen Salento angekommen.

Am Folgetag sind wir früh los, um das nahegelegene Valle de Cocora zu besichtigen. Dies ist bekannt für die hohen Wachspalmen in den Tälern der Bergen. Anscheinend gehören diese zu den höchsten Palmen der Welt. Die Fahrt dorthin legten wir in einem Jeep zurück. Oder eher auf einem Jeep. Wir mussten nämlich hinten auf dem Trittbrett stehen und uns, wenn möglich, gut festhalten.

Im Valle de Cocora wanderten wir zu zwei Aussichtspunkten, wo die Sicht auf die Berge und Palmen echt bemerkenswert war.

Auf dem Rückweg kamen wir in einem Park vorbei, wo man mit verschiedenen Requisiten Fotos machen kann (u.a. für Touris die nicht zu den Aussichtspunkten wandern wollen).

Dabei ist Kevin schön im Schlamm gelandet und lernte so das schadenfreudige Gelächter von Céline kennen (welches weit brutaler ist als jedes andere). Den Nachmittag genossen wir im schönen, bunten Salento.

Tags darauf, wieder auf dem Jeep, fuhren wir zu einer Kaffeefarm und lernten den ganzen Prozess von der Anpflanzung bis zur Röstung kennen.

Wir durften auch kurz Kaffeebauer spielen, sind aber kläglich gescheitert, weil unsere Bohnen alle zu grün waren. Als Belohnung fürs Pflücken wurden wir von Kopf bis Fuss von Mücken verstochen.


Am Ende haben wir verschiedene Kaffeesorten probiert und die Aussicht auf die Kaffeeplantage genossen.

Damit war leider die Zeit von Céline mit uns schon vorbei. Der Vorteil von ihrer Abreise war, dass ich mich nun aller meiner warmen Kleider entledigen konnte und mein Rucksack um einiges leichter wurde. Merciii Céline :D.
Cali
Während Céline mit dem Flugzeug via Medellin (und Panama City und Amsterdam) zurück in die Schweiz flog, stiegen Kevin und ich in den Bus nach Cali. Im Nachhinein haben wir auf der Seite des EDA’s gelesen, dass man aus Sicherheitsgründen nicht mit dem Bus nach Cali soll. Hin- und wieder seien Touristen entführt worden. Jäno, ist nichts passiert und wir sind unversehrt an unserem Ziel angekommen. Cali steht bei Kolumbienreisenden oftmals nicht auf der Liste, etwas zu Unrecht, wie wir fanden. Die Stadt verfügt in dem Sinne nicht über wirkliche Sehenswürdigkeiten (und die wenigen, die es hätte, haben wir aussen vorgelassen), ist aber bekannt als die Stadt des Salsas. Und dieser ist omnipräsent. Überall wo man hinfährt, wimmelt es von Salsa-Tanzstudios und Clubs. Abends erkundeten wir das nette Viertel San Antonio, welches viele herzige Strassen gesäumt von Restaurants und Bars hatte.

Den Tag durch haben wir ehrlichgesagt nicht viel gemacht, ausser Restaurants und Cafes zu besuchen. Da wir (sind wir ehrlich, vor allem ich) den Salsa etwas erleben wollten, aber wirklich über kein Rhythmus- und Taktgefühl verfügen, haben wir eine Salsabar namens «Zaperoco» auf, um wenigstens den Leuten etwas zuzusehen. Naiv wie wir waren, glaubten wir, dass um 9 Uhr abends tatsächlich schon etwas los ist. Denkste. So liessen wir uns mindestens eine Stunde mit unglaublich lauter Musik beschallen, bevor sich das Lokal allmählich zu füllen begann.

Übrigens, die maximal erlaubte Musiklautstärke in Kolumbien ist eine reine Frage der Kapazität der Anlage und von nichts anderem (zumindest unserer Meinung nach). Gespräche konnten wir also keine führen, daher haben wir unsere Uno Meisterschaft fortgesetzt. Ab ca. 10 Uhr konnten wir den Kolumbianern dann zuschauen, wie sie gekonnt zur Musik getanzt haben und waren fast schon etwas neidisch. Wenigsten gab es sensationell gutes und würziges Popcorn, von dem sich Kevin gekonnt am Nachbartisch noch eine zweite Schale «organisiert» hat. Nachdem Kevin auf dem Heimweg noch sein langersehntes, frittiertes Hühnchen an einem Strassenrand gekauft hatte, legten wir uns zufrieden (und mit Tinnitus) ins Bett.
Bogota
Die letzte Etappe unserer Kolumbienreise führte uns in die Hauptstadt Bogota. Bogota hat ca. 11 Mio. Einwohner und liegt wieder etwas mehr in den Anden. Dementsprechend war auch das Klima ein völlig anderes und während 4 Tagen habe ich es etwas bereut, Céline alle meine warmen Kleider mitgegeben zu haben. Unser Hotel war in der Nähe des historischen Zentrums Bogotas.

Dieses erkundigten wir an unserem ersten ganzen Tag, wurden aber aufgrund des schlechten Wetters ins Innere getrieben.

Das war halb so schlimm, denn wir wollten sowieso noch das Museum Botero anschauen, wo viele der Kunstwerke des berühmten kolumbianischen Künstlers Fernando Botero ausgestellt sind. Zudem ist ein grosser Teil seiner privaten Sammlung Teil des Museums. Die Kunst von Botero trifft unseren Geschmack ziemlich gut und wir finden die Galerie ist echt sehenswert.


Bogota ist unglaublich gross, also konnten wir unmöglich alle Stadtteile in 4 Tagen sehen. Ich wollte aber unbedingt mal noch einen anderen Teil sehen und daher fuhren wir 30 Minuten durch die Stadt in Richtung des «Parque de la 93», um zu frühstücken. Obwohl es interessant war, mal noch einen etwas moderneren und saubereren Stadtteil Bogotas zu sehen, hat es sich nur so mässig gelohnt, dafür so lange Taxi zu fahren (sorry Kevin). Auf der Rückfahrt hat uns der Taxifahrer dafür eine kleine Stadtführung gegeben.

Am selben Nachmittag haben wir uns auf eine Essenstour mit «Beyond Colombia» begeben, um das Land kulinarisch noch etwas besser kennen zu lernen (was mega Sinn macht, das erst am zweitletzten Tag zu machen). An einem Nachmittag haben wir 6 Speisen verkostet, angefangen beim typischen Frühstück – einer Empanada (gefüllte, frittierte Teigtasche) und einer frittierten mit Ei gefüllten Arepa (Maisfladen). Danach gingen wir in ein Restaurant und teilten uns die Suppe Ajiaco (eher ein Eintopf mit vielen Kartoffeln, normalerweise mit Poulet, Mais, Rahm und Kapern begleitet von Reis und Avocado). Das mag nicht so speziell klingen, war aber so lecker und bis zum Schluss unser Lieblingsgericht der Tour. Im nächsten Lokal probierte Kevin ein grilliertes Capybara (eine Art sehr grosses Meerschweinchen) und ich trank eine Kokoslimonade. Danach ging es mit der Nachspeise weiter. An einem Strassenstand probierten wir Obleas (eine Art Sandwich bestehend aus zwei dünnen Waffeln gefüllt mit u.a. Dulce de Leche und einer Konfitüre), bevor wir zum Zvieri kamen. Dort wurde uns dann eine heisse Schoggi mit Käse serviert. Der Käse (ähnlich einem Luzerner Rahmkäse) wird in kleinen Stücken in die heisse Schoggi gegeben, so dass er langsam schmilzt. Für die Kolumbianer ist das offenbar völlig normal, für uns doch etwas gewöhnungsbedürftig. Kevin hat´s geschmeckt. Dazu gab es ein Gläschen Aguardiente. Unser letzter Stopp war ein Kaffeehaus, wo uns logischerweise kolumbianischer Kaffee zubereitet wurde. Dabei konnte man zwischen X Motiven aussuchen, die die Baristas dann in den Schaum zauberten. Die ganze Tour war eine tolle Erfahrung und eine andere Möglichkeit das Land besser kennen zu lernen.
Damit war unsere Zeit in Bogota und Kolumbien leider schon zu Ende. Auch wenn wir fast 5 Wochen in Kolumbien verbracht haben, hätten wir uns gewünscht, noch mindestens eine zusätzliche Woche zu haben, um noch weitere Teile des Landes zu erkunden. Nach Argentinien hätten wir nicht gedacht, dass uns ein Land nochmal so schnell begeistern kann. Kolumbien war aber in fast jeglicher Hinsicht ebenbürtig. Nicht nur waren die Städte und auch die Landschaften sehr abwechslungsreich und schön, sondern die Menschen hätten fast nicht freundlicher sein können.
















Hinterlasse einen Kommentar