Hier folgt nun der zweite Teil unserer Argentinienreise. Der erste Teil hat damit geendet, dass wir die Weinregion Mendoza in Richtung Süden verlassen haben.
San Martin de los Andes
Unser nächstes Etappenziel war San Martin de los Andes, welches schon zu der Region Patagonien gehört. Das bedeutete, dass uns zwei sehr lange Autofahrten bevorstanden. Der erste Streckenabschnitt war zwar «nur» 500 km lang, jedoch war davon ein grosser Teil unbefestigt, da einfach gar rein nichts dazwischen war. Also dauerte die gesamte Fahrt nach Buta Ranquil viel länger als gedacht. Von diesem Ort im Niemandsland mussten wir tags darauf nochmals 550km nach San Martin de los Andes fahren. Gewisse Teile der Strecke waren echt sehenswert mit Vulkanen usw. während andere eher öde waren.

In San Martin de los Andes angekommen, traf uns die Menge an einheimischen Touristen erstmals mit voller Wucht. Januar und Teile des Februars sind die Hauptferienzeiten in Argentinien und da die Temperaturen im Süden erträglicher sind, zieht es Halb Argentinien in den Süden. Darum lohnt es sich auch, Unterkünfte zu dieser Zeit weit im Voraus zu buchen. Haben wir natürlich nicht gewusst und mussten wortwörtlich dafür bezahlen. Jäno, ist ja nicht so, als hätten wir das Budget in Mendoza nicht schon gesprengt :). Die Dame unserer Unterkunft hat uns dann gesagt, wir sollten gleichentags schon an den See fahren, da es nicht immer so schön und warm sei. Haben wir uns natürlich auch nicht zweimal sagen lassen. So genossen wir die letzten Stunden des Tages an dem «Quila Quina» Strand, wo ich baden war und Kevin seine Füsse getunkt hat. Für einen Moment hat es sich angefühlt, als wären wir in der Schweiz. Mal abgesehen davon, dass alle am und im See Mate getrunken haben. Zum Abendessen hat es Empanadas gegeben, die wir unter der strengen Beobachtung eines sabbernden Hundes gegessen haben.

Tags darauf fuhren wir dem Lago Lacar entlang zum Wasserfall Chachin im Dorf Hua Hum. Der Weg dorthin war selbstverständlich nicht geteert (wie eigentlich alle Strassen, die nicht zur Hauptverbindung gehören) und kurz vor dem Wasserfall glich die Strasse eher an einem Wanderweg. Der Parkplatz am Ende der Strecke wies aber darauf hin, dass es effektiv eine Strasse gewesen ist. Der Weg zum Wasserfall war nicht sehr lang, daher hatte es auch einige Leute. Der Wasserfall selbst war echt sehenswert, da das Wasser rundherum fast türkis war und sich im Dunst ein Regenbogen gebildet hat.

Auf dem Rückweg hielten wir auf halber Strecke, um die Strände bei «Playa de Yuco» abzuchecken. Das Wasser war klar und definitiv eine Abkühlung. Einziger Wehrmutstropfen waren die vielen Leute aufgrund der Ferienzeit. Wir haben jedoch für unsere neu ergatterten Liegestühle ein Plätzchen im Schatten gefunden und verbrachten den Nachmittag dort. Abends schlenderten wir noch durch San Martin, was recht herzig ist.
Bariloche
Am nächsten Tag fuhren wir morgens früh los in Richtung Bariloche. Die Strasse zwischen San Martin und Bariloche zählt zu den schönsten Argentiniens und wir können das nur bestätigen. Man fährt an zig Seen und Bergen vorbei und könnte alle 5 Minuten anhalten, um ein Foto zu schiessen.

Auf halbem Weg wollten wir eigentlich eine Wanderung zum Wasserfall «Santa Ana» unternehmen. Die Strasse, die dorthin geführt hätte, war aber aus irgendeinem Grund geschlossen und darum mussten wir unseren Plan ändern. Wir fuhren direkt nach bzw. durch Bariloche durch zum Aussichtspunkt «Cerro Campanario». Auf diesen würde auch ein Sessellift führen, jedoch wollten wir uns trotzdem ein Mü körperlich betätigen. Der Weg hoch dauerte 25 Minuten und die 360-Grad-Sicht auf Bariloche und die umliegende Landschaft war gewaltig. Eigentlich hat diese Gegend schon ein wenig Ähnlichkeit mit der Schweiz, jedoch sind die Dimensionen völlig anders.

Danach fuhren wir an einen Ort namens «Colonia Suiza», wo sich ab Ende des 19. Jahrhunderts Schweizer Auswanderer niedergelassen haben. Es gibt nach wie vor Chalets mit Schweizer Namen und Kantonswappen. Ansonsten gleicht der Ort eher an einem Streetfood-Markt in Züri. Genächtigt haben wir etwas ausserhalb von Bariloche – in Villa Catedral, weil die Unterkunft die noch einzige bezahlbare Möglichkeit war. Wobei die Unterkunft wenigstens ausgesprochen schön war und einem Schweizer Chalet ähnelte.

Tags darauf fuhren wir an einen der vielen Seen, den Lago Guiterrez. Das Wasser war herrlich blau, klar und eiskalt. Während ich mich trotzdem ins kalte Wasser getraut habe, hat Kevin lediglich seine Füsse und Wädli abgekühlt.

Am nächsten Tag wollten wir eine Wanderung zum Refugio Frey absolvieren, auch ein wenig als Vorbereitung auf das, was uns weiter im Süden Patagoniens erwarten wird. Der Start der Wanderung war idealerweise gerade in unserem Dorf, Villa Catedral. Hin und zurück waren es etwas über 22km mit einer Höhendifferenz von rund 800m.

Die Strecke war grösstenteils recht angenehm, einzig der letzte Abschnitt war eine Herausforderung, da es etwas steil hochging zur Hütte und unglaublich heiss war. Wir wollten zuerst am See neben dem Refugio picknicken, dort war es aber wegen dem Wind so kalt, dass wir unsere Location wechseln mussten. Als wir dann wieder zurück im Dorf waren, haben wir in der dortigen Après-Ski Kneipe ein kühles Bier genossen, bevor es dann in unserer Unterkunft dem Notfallwein an den Kragen ging.
Esquel
Von Bariloche fuhren wir 4 Stunden weiter in Richtung Süden, nach Esquel. Auch auf diesem Weg fuhren wir Seen, Wäldern und Bergen entlang, bevor wir dann abrupt in einen Stau gelangten. Lange wussten wir nicht was Sache war, bis wir dann ausgestiegen sind und gesehen haben, wie vermummte Personen mit Baumstämmen die Strasse blockiert haben und Steine auf gewisse Autos geworfen haben. War schon etwas merkwürdig!
In Esquel angekommen, wollten wir einen Ausflug nach Trevelin machen, bzw. haben wir dann auch gemacht, was bekannt ist für schöne Tulpenfelder mit den Bergen im Hintergrund. Leider blühen diese nur im Oktober, daher waren wir im Januar doch etwas zu spät. Wir haben aber in der Nähe von Esquel ein herziges Seeli entdeckt (Laguna La Zeta) und so haben wir dort den restlichen Tag verbracht.

Aus Mangel an Alternativen haben wir in einem Hostel mit 10er-Dorm genächtigt, was eigentlich ganz herzig eingerichtet war. Das Hostel war aber so gross, dass es jeweils bis tief in die Nacht laut war. Wir haben also nur so medium gut geschlafen. Das war eine gute Voraussetzung für die nächste Autofahrt, welche die längste auf unserer Argentinienreise sein würde (900km / 11h). Während anfangs Teile der Strasse nicht geteert waren, haben uns (bzw. dem designierten Chauffeur Kevin) auf dem zweiten Streckenabschnitt Schlaglöcher und der patagonische Wind vor Herausforderungen gestellt. Genächtigt haben wir in einem Dorf namens Gobernador Gregores, welches absolut nicht der Rede wert ist.
El Chaltén
Von Gobernador Gregores standen uns noch rund 5-6 Stunden Fahrt nach El Chaltén bevor. Unterwegs war doch einiges los, vor allem was die Tierwelt betraf. So haben wir hunderte Guanacos (eine Lamaart), drei Gürteltiere (2 lebendige und 1 plattgefahrenes), Füchse und Nandus (eine Straussart) gesehen. Eigentlich sollte man die Berge rund um El Chaltén schon viele Kilometer vor dem Eintreffen sehen. Leider war es aber an diesem Tag so bewölkt, dass wir gar nichts gesehen haben. Aber zum Glück hatten wir 4 ganze Tage eingeplant, so war das nicht ganz so schlimm. El Chaltén wurde erst 1985 gegründet und ist das Wandermekka im argentinischen Patagonien. Berühmt ist die Gegend primär als Ausgangspunkt für Wanderungen zu der Laguna de los Tres am Fusse des Mount Fitz Roy, übrigens benannt nach dem Kapitän der HMS Beagle, dem Forschungsschiff von Charles Darwin.

Wir haben uns wieder in einem Hostel einquartiert, dieses Mal jedoch nur mit 4 Betten in einem Zimmer und einer sehr sympathischen und unterhaltsamen Zimmergenossin aus Buenos Aires. Wir hatten noch Zeit, um das Dorf zu erkunden und Proviant für die Wanderung am nächsten Tag zu der Laguna de los Tres zu besorgen. Das Wetter sah sehr vielversprechend aus, also gingen wir früh ins Bett, um am nächsten Tag fit zu sein. Leider war ich schon am Vorabend etwas angeschlagen, was am nächsten Morgen nur noch schlimmer war (fiebrig, Gliederschmerzen, Husten) und konnte so unmöglich 20km wandern. In der Hoffnung, dass das Wetter die nächsten Tage auch schön wird, haben wir die lange Wanderung vorerst verschoben. Da aber keine einzige Wolke am Himmel war, sind wir mit dem Auto Teile der Strecke des Vortags zurückgefahren, um zumindest von dort eine schöne Aussicht auf die Berge rund um den Mount Fitz Roy zu haben. Da wurden wir definitiv nicht enttäuscht, die Aussicht war gewaltig.

Danach sind wir dem Fluss entlang zur Hosteria El Pilar gefahren, um von dort eine kurze Wanderung zum Gletscher «Piedras Blancas» zu machen, da wir den schönen Tag nicht ganz verschwenden wollten. Die 8km hin und zurück dem Fluss und den Wäldern entlang haben sich sehr gelohnt, auch wenn ich nachher komplett platt war.

Leider war es am Folgetag echt hässliches Wetter, sodass wir ausschliesslich Kaffee getrunken und Spiele gespielt haben. Und von unserer Zimmergenossin Belu gelernt haben, wie man richtig Mate zubereitet. Dies ist eine echte Wissenschaft und so hat sich herausgestellt, dass Mate doch nicht ganz so hässlich ist, wenn man ihn nur richtig zubereitet. Ein wirklicher Genuss ist es aber auch so nicht, der Tee schmeckt sehr bitter. Auch am nächsten Tag war es bewölkt und ab und zu regnerisch, also haben wir nur den Mirador de los Condores angeschaut, welcher in der Nähe des Dorfs ist.

Ich war unterdessen wieder etwas über den Berg, jedoch begann nun Kevin zu kränkeln. Wir entschieden uns, dass wir El Chalten nicht verlassen wollten, ohne die Laguna de los Tres zu erklimmen und wollten die Wanderung nun am nächsten Tag (also unserem Abreisetag) durchführen, auch wenn die Wettervorhersage nicht sooo gut aussah.
Am nächsten Tag standen wir früh auf und es stellte sich heraus, dass sich Kevin noch schlechter als am Vortag fühlte. Dennoch wollte er es mal versuchen. Wir liefen um halb 8 los und um diese Zeit war noch weit und breit niemand. Die ersten 3km geht es leicht hinauf, während Kilometer 3-9 quasi flach waren. Auf diesem Abschnitt sollte man eigentlich stets Sicht auf den Mt. Fitz Roy haben, aber es war so wolkenverhangen, dass wir gar nichts gesehen haben.

Auf dem letzten Kilometer mussten wir 400 Höhenmeter bis zur Lagune bezwingen. Und dann hat es doch tatsächlich auf dem Weg nach oben zu schneien begonnen. Kevin war zu diesem Zeitpunkt immer noch dabei, auch wenn er sichtlich gequält aussah. Kurz bevor wir oben waren, sahen wir dann, wie sich die Wolken lichteten und die Bergspitzen erkennbar wurden. Je weiter wir über die Kuppe zur Lagune hochgewandert sind, desto mehr haben wir gesehen. Und ich hätte bei dem Anblick vor Glück weinen können (ja sorry, aber trotz Wetter und kranksein, haben wir es tatsächlich noch geschafft :D).

Die Lagune war spiegelglatt, sodass sich das Bergpanorama schön reflektiert hat und noch bevor wir tausend Fotos geschossen haben, staunten wir einfach. Da nun schon etwas nach 11 Uhr war, haben wir bei der Laguna zu Mittag gegessen und die Landschaft auf uns wirken lassen. Danach sind wir noch zu einem anderen Aussichtspunkt gelaufen, wo wir einen Ausblick auf die Laguna de las Tres und die nebenanliegende Laguna Sucia hatten.

Nach ungefähr einer Stunde machten wir uns auf den Rückweg. Auf dem Weg nach unten kamen uns hunderte von Leuten entgegen, sodass wir teilweise warten mussten, bis wir weiterlaufen konnten. Die Wanderung zählt zu den beliebtesten Patagoniens und dementsprechend hatte es auch viele Leute. Da Argentinier aber keine Frühaufsteher sind, lohnt es sich echt früh loszugehen. So hatten wir eigentlich eine schöne, ruhige Stunde ganz oben. Auf dem Rückweg hatten wir nun auch immer eine atemberaubende Sicht auf den Mt. Fitz Roy, was aber besonders Kevin irgendwann egal war, denn er wollte nur zurück ;). Erschöpft, aber sehr glücklich nahmen wir nun noch die 2-3h lange Strecke nach El Calafate in Angriff.
El Calafate
In unserem Hotel in El Calafate angekommen, haben wir uns nach einer erholsamen Dusche direkt ins Bett gelegt. Abendgegessen haben wir abgesehen von einem Restsandwich und einigen Crackers nicht mehr, so im Elend waren wir. Obwohl wir wahrscheinlich so lange wie noch nie auf unserer Reise geschlafen haben, war Kevin am nächsten Tag noch nicht richtig fit. Dennoch wollten wir uns die eigentliche Attraktion von El Calafate nicht entgehen lassen – den Perito Moreno Gletscher. Dieser soll der einzige Gletscher der Welt sein, welcher (noch) nicht an Masse verliert.

Also nahmen wir die rund 90km zum Gletscher in Angriff, wobei man schon etwas vorher eine super Aussicht auf den Perito Moreno hat. Dort angekommen buchten wir uns eine Bootstour, um den Gletscher von nahem betrachten zu können (Spoiler alert: hat sich so mässig gelohnt). Da wir noch etwas Zeit bis zur Abfahrt des Bootes hatten, konnte sich Kevin noch einen Whiskey mit Gletschereis gönnen – gegen die Halsschmerzen und für das Gemüt :). Wie gesagt, die Bootsfahrt war nicht so der Wahnsinn, da es von Leuten gewimmelt hat und man von den Wanderwegen aus fast dasselbe sieht.

Nach der Bootsfahrt haben wir nämlich genau das getan. Wir sind den Pfaden entlanggelaufen, wobei man immer wieder Sicht auf den Perito Moreno hatte. Und während auf einer Seite alles grün und bewaldet ist, ragt auf der anderen Seite der teilweise 70 Meter hohe Gletscher empor.

Zudem hört man immer wieder, wie aktiv der Gletscher ist, da es knirscht und donnert, vor allem wenn sich wieder einmal ein Eisblock vom Gletscher gelöst hat und mit tosendem Lärm ins Wasser gefallen ist. Mit diesem Ausflug neigte sich auch unser Aufenthalt in Patagonien dem Ende zu und es war an der Zeit, die lange Rückfahrt nach Buenos Aires in Angriff zu nehmen (ca. 3ʼ000 km).

Puerto San Julian
Das erste Etappenziel war Puerto San Julian, welches bereits an der Atlantikküste lag. Der Ort ist bekannt als die erste Anlegestelle Magellans in Südamerika. Ein Nachbau eines Segelschiffs beim Hafen der Stadt weist darauf hin. Vielmehr hatte der Ort nicht zu bieten.

Puerto Madryn
Am nächsten Tag stand uns unsere längste Autofahrt nach Puerto Madryn bevor. Rund 11h und 870km km waren wir unterwegs, teilweise der Küste entlang und teilweise etwas im Inland. Das spannendste auf der ganzen Fahrt waren die unzähligen Guanacos am Strassenrand. Spätnachmittags kamen wir im Küstenstädtchen Puerto Madryn an, welches uns von Anfang an sehr sympathisch war.
Puerto Madryn ist unter anderem bekannt für die Peninsula Valdes (eine Halbinsel), wo man zu gewissen Jahreszeiten Wale beobachten kann. Wir waren leider zur falschen Zeit da. Dennoch ist die Halbinsel auch das Zuhause von anderen Tieren wie Pinguinen und Seehunden. Als wir beim Parkeingang ankamen, wies uns jedoch der Mitarbeiter darauf hin, dass eigentlich grosse Teile der Halbinsel aufgrund des Regens des Vortags gesperrt seinen und wir nur zum Küstenörtchen Puerto Piramides fahren können.

Da wir auf den Galapagos schon viele dieser Tiere gesehen haben, war das kein Weltuntergang. Zudem hatte Puerto Piramides herzige Kafis, sowie einen schönen Strand. Also haben wir so unseren Tag verbracht. Abends waren wir in einem Restaurant Abendessen, wo einfach ein Menü aufgetischt wird, was damit geendet hat, dass wir völlig überessen waren.
Bahia Blanca
Am nächsten Morgen stand uns eine weitere lange Fahrt nach Bahia Blanca bevor, welches auch am Meer liegen würde. Wir haben unseren Fahr-freien Tag jedoch in der Stadt verbracht und an unterschiedlichen Dingen gearbeitet. Bahia Blanca ist ganz in Ordnung, aber auch nichts, was man unbedingt gesehen haben muss.
Santa Teresita
Anstatt direkt nach Buenos Aires zu fahren, haben wir uns gedacht, wir könnten ja in der Region rund um das «Mar de Plata» noch einen Zwischenhalt einlegen und etwas den Strand geniessen. Das hat sich schon etwas als Fehler herausgestellt, als wir feststellen mussten, dass die Fahrt zum Örtchen Santa Teresita ganze 7 Stunden in Anspruch nimmt. Wir haben auf dem Weg in Pinamar einen Zwischenstopp eingelegt, da wir dort baden wollten. Aufgrund der vielen Menschen haben wir jedoch keinen Parkplatz gefunden und sind weiter nach Santa Teresita.
In Santa Teresita angekommen – in einem grüsligen Hostel – sind wir direkt an den Strand gelaufen und wurden von der schieren Masse an Menschen fast erschlagen. Um das in eine Perspektive zu rücken: Strände in Italien sind im Vergleich dazu eine idyllische, ruhige Oase. Wir haben uns einen Quadratmeter Platz gesichert und haben uns dieses Spektakel dennoch angeschaut. Nach kurzem Beobachten sind wir zum Schluss gekommen, dass wohl die ganze argentinische Unterschicht dort ihre Sommerferien verbringt.

Dementsprechend war auch die Auswahl an Restaurants lausig und wir entschieden uns, in einem nahegelegenen Burger King zu speisen, was ein guter Entscheid war. Dort auf der Terrasse hatten wir nämlich den besten Ausblick auf den Parkplatz eines Shoppingcenters, wo immer wieder Autos in oder auf eine kleine Mauer gefahren sind. Das war das Beste an Santa Teresita. Ah, und unsere argentinische Freundin Belu hat uns minutenlang ausgelacht, als sie vernommen hat, dass wir an diesem Ort waren :).

Buenos Aires
Wir mussten 4 weitere Stunden fahren, bis wir endlich wieder in Buenos Aires waren. Wir haben nochmal 5 Tage in der Stadt geplant. Nachdem wir unser Auto abgegeben haben (mit mehr als 13˙000 zusätzlichen Kilometern auf der Anzeige), gingen wir in unserem Lieblingsviertel Palermo Choripan essen (wuhu die hatten eine Vegi-Variante). Den Nachmittag verbrachten wir in einem Kaffee und abends gab es endlich wieder einmal asiatische Küche.

Am Folgetag statteten wir der Pizzeria Güerrin nochmals einen Besuch ab und gingen anschliessend in den bekannten Buchladen «El Ateneo Grand Splendid», welcher sich in einem ehemaligen Theater befindet und recht sehenswert ist. Vielmehr ist an dem Tag nicht passiert. Ausser, dass ich beim Abendessen einen schlechten Wein ausgewählt habe, was die Stimmung kurz gedrückt hat. (Anmerkung von Kevin: Sie durfte den Wein zuerst probieren und hat ihn dann trotzdem ausgewählt.)

Am nächsten Tag haben wir unserem anderen Lieblingsviertel San Telmo bzw. dem Markt von San Telmo nochmals einen Besuch abgestattet. Dort haben wir an einer Theke zu Mittag gegessen und mussten kurz vor dem Zahlen feststellen, dass uns irgendwer den Rucksack mit unseren Laptops gestohlen hatte. Glücklicherweise hatten wir Portemonnaie und Handy anderswo und die Pässe im Hotel. Unglücklicherweise waren unsere Laptops und Ladegeräte weg. Damit hat ein elend langwieriger Tag mit Polizeikontakt begonnen, der leider erst gegen Mitternacht geendet hat. Schliesslich hatten wir keine Laptops mehr und ein Abend in Buenos Aires verschwendet. Dank der Hilfe von meinem Mami (<3) war die Angelegenheit mit der Versicherung so schnell geregelt, dass wir uns am nächsten Tag bereits neue Laptops kaufen konnten. Und dank Clouds waren keine Daten verloren gegangen und ich hatte nun statt einem 8 Jahre alten Macbook ein nigelnagel Neues.

Wir waren den ganzen nächsten Tag mit der Beschaffung eines neuen Laptops beschäftigt und belohnten uns Abends mit ausgezeichnetem japanischem Essen. Nach dem Essen trafen wir Belu, die nun auch wieder in der Stadt war. Sie zeigte uns einige Bars im Viertel Palermo, die echt super waren. Die eine hatte hohe Wände, welche mit einem übergrossen Bild bemalt waren (anscheinend entsteht da jeder Monat ein neues) und die andere Bar war versteckt, sodass ein Fremder diese wohl kaum gefunden hätte. Im schönen Innenhof tranken wir bis 3 Uhr morgens Cocktails und mussten uns mehrmals für unseren Ausflug nach Santa Teresita auslachen lassen, bevor wir uns dann auf die Heimfahrt machten.


An unserem letzten ganzen Tag wollte ich mir den Friedhof von Recoleta anschauen, zu dem wir es bis jetzt noch nicht geschafft hatten. Dieser liegt, wie es der Name schon sagt, im etwas wohlhabenderen Viertel Recoleta. Auf dem Friedhof sind viele unterschiedliche Persönlichkeiten (unter anderem Eva Peron) begraben. Das Spezielle ist, dass sämtliche Gräber eigentlich eher spektakuläre Mausoleen sind als herkömmliche Gräber.

Danach liessen wir uns in einer nahegelegenen Brauerei nieder und verbrachten den Nachmittag mit Cocktails und der Arbeit an Kevins Website. Abends führte uns Belu zu einer Art Streetfood-Festival bei der Pferderennbahn von Buenos Aires. Anschliessend mussten wir uns schweren Herzens von unseren liebgewonnenen Liegestühlen verabschieden und übergaben sie mit dem übrig gebliebenen Notfallwein an Belu.

Bevor wir an unserem Abreisetag an den Flughafen fuhren, wollten wir nochmals den San Telmo Markt besuchen (dieses Mal ohne Vorkommnisse) und unsere letzte argentinische Speise inkl. Wein geniessen. Danach sind wir noch etwas durch San Telmo geschlendert, bevor es dann zuerst zurück ins Hotel und anschliessend an den Flughafen ging.

Fazit
Ich habe zuvor noch nie ein Fazit geschrieben, aber Argentinien hat das zu genüge verdient. Denn es war das erste Land auf der Reise, wo wir ziemlich schockverliebt waren. Alles an dem Land hat uns so gut gefallen – die Leute, die unglaublich abwechslungsreichen Landschaften, der Wein und das Essen. Schon während der Reise haben wir immer wieder gesagt, dass wir eines Tages zurückkommen werden und ich denke nicht, dass wir diesen Vorsatz brechen werden.
Lessons learned sowie Tipps für Friends & Family
- Es lohnt sich, das Auto genug früh zu buchen, insbesondere über Weihnachten/Neujahr und im Januar. Zudem würden wir das nächste Mal ein grösseres Auto mit Allradantrieb und hohem Radstand bevorzugen, da doch viele Strassen nicht geteert sind und Schlaglöcher eher die Regel, als die Ausnahme sind
- Es lohnt sich, immer zu tanken, wenn sich die Möglichkeit bietet
- Es lohnt sich, Unterkünfte insbesondere im Januar / Mitte Februar (Hauptferienzeit) genug früh zu buchen
- Das Geld muss nicht unbedingt auf dem Schwarzmarkt gewechselt werden, sondern kann auch via Western Union gesendet und abgeholt werden
- Ein Besuch im Bodega Renacer ist keine Empfehlung, sondern eine Aufforderung
- Überall gut auf den Rucksack aufpassen 🙂
- Kevin meint, man solle den Gargrad des Fleisches immer eine Stufe roher angeben, als man es mag, die Argentinier essen es gern ziemlich durchgebraten
- Die Argentinier schmieren anstatt Butter gerne eine Art Frischkäse zwischen Konfitüre und Brot, absolut empfehlenswert
- Wenn sich ein argentinischer Polizist nicht sicher ist, ob etwas 5 oder 15 Minuten dauert, ist mit 5-6 Stunden zu rechnen; und klappt schlussendlich dann doch nicht


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