Argentinien stand zuerst nicht auf unserem Plan. Dann wollten wir zunächst einfach Buenos Aires und Mendoza besuchen. Schliesslich endete es damit, dass wir fast zwei Monate in dem südamerikanischen Land verbracht haben. Bereut haben wir es keine Sekunde. Aber nun ganz von Anfang.
(Anmerkung der Redaktion: Der ursprüngliche Bericht ist sehr lang, da wir ja auch fast 2 Monate in Argentinien waren. Darum gibts jetzt 2 Teile. Viel Spass mit Teil 1!)
Buenos Aires
Am 6. Dezember 2021 flogen wir von Santa Cruz, Bolivien, nach Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien. Wir waren noch keine 5 Minuten im Hotel, als wir schon wussten, dass uns die Stadt begeistern wird. Von unserem Balkon hatten wir einen fantastischen Blick auf die Avenida 9 de Julio, die satte 140 Meter breit ist. Am ersten Tag begaben wir uns zum Calle Florida, um unsere mitgebrachten USD auf dem Schwarzmarkt zu wechseln. Aufgrund der hohen Inflation in Argentinien sind die Wechselstuben nämlich sehr beliebt und man erhält den viel besseren Wechselkurs als bei der Bank. Im Nachhinein haben wir jedoch herausgefunden, dass wir uns selbst auch mit Western Union Geld senden können zu einem identischen Kurs, ohne eine dubiose Wechselstube aufsuchen zu müssen.

Ursprünglich hatten wir drei Tage in der argentinischen Hauptstadt geplant und wollten nachher mit dem Auto das Land erkunden. Ein Auto für mehr als einen Monat zu mieten und das über die Weihnachtszeit hat sich als echte Herausforderung herausgestellt. Zudem wäre es sicher von Vorteil gewesen, wenn wir etwas früher dran gewesen wären. So waren sämtliche grösseren Autovermietungen ausgebucht und Kevin hat den ganzen nächsten Tag damit verbracht, Autovermietungen abzuklappern. Nach langem Suchen wurde er fündig, jedoch war das Auto erst in einigen Tagen verfügbar. So haben wir schliesslich eine ganze Woche in Buenos Aires verbracht, aber es wurde uns definitiv nie langweilig.

Die Grossstadt bietet unglaublich viel und selbst in einer Woche haben wir nicht alles geschafft. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass wir satte dreimal den San Telmo Markt aufgesucht haben, um die vielen Essensstände abzuklappern. Essen ist das Stichwort. Wir haben die Stadt fast ausschliesslich kulinarisch erkundigt. In der Nähe des Obelisks haben wir unter anderem die kultige Pizzeria Guerrin besucht, um die argentinische Version des italienischen Klassikers zu probieren. Die Pizza war echt gut, hatte für uns aber mehr Ähnlichkeit mit einer Quiche oder Wähe. Dennoch muss man die Fugazetta unbedingt einmal probiert haben.

An einem Tag haben wir das Viertel Palermo erkundigt, wo es viele stylische Cafés und Läden gibt, so dass man unglaublich gut flanieren kann. Das Viertel „La Boca“ haben wir uns auch nicht entgehen lassen. Zwar ist ein Teil des Viertels ziemlich touristisch, aber die vielen bunten Häuser sind trotzdem sehenswert. Auf der Taxifahrt nach La Boca hat uns der Fahrer noch darauf hingewiesen, dass wir unter keinen Umständen den touristischen Teil von La Boca verlassen sollen, da es sonst auch tagsüber recht gefährlich sein kann. Eine Polizistin hat uns dann gesagt, wir sollen nur einer spezifischen Strasse entlang gehen, wenn wir das Stadion der Boca Juniors besichtigen wollen. Ins Stadion selbst konnten wir nicht gehen, aber das dazugehörige Museum hat es auch getan.


Nach sieben Tagen (und nachdem wir noch längst nicht alles gesehen haben) konnten wir endlich unser Mietauto entgegennehmen, um uns mit dem kleinen Chevrolet Onix auf den Weg nach Rosario zu machen.


Rosario
Der Weg von der grössten zur zweitgrössten Stadt Argentiniens ist verhältnismässig kurz. Die erste der drei Stunden Fahrt verbrachten wir damit, Buenos Aires und dessen Vororte hinter uns zu lassen. Danach wurde es ziemlich flach und eintönig. Hin und wieder fanden sich direkt neben dem Pannenstreifen Imbissstände wieder, die Choripan anboten (halbierte, grillierte Chorizowurst in einem Brötchen mit Chimichurri). Als wir dann schliesslich in Rosario angekommen sind, mussten wir das Hotelzimmer satte zweimal wechseln, bis wir endlich eine einigermassen saubere Unterkunft hatten. Das ist uns auf unserer Reise noch nie passiert. Es hat vorab zwar geheissen, dass Rosario (welche auch die Heimatstadt von Lionel Messi ist, oder Leonard Messi, wie ihn Marina nennt) eine Art kleines Buenos Aires wäre. Meines Erachtens fehlte der Stadt etwas der Charme dazu. Nichtsdestotrotz gibt es einige Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das Monument der Flagge sowie die Promenade entlang des Flusses Paranà.

Santa Fe / Franck
Unser nächstes Etappenziel war ein Örtchen namens Franck in der Nähe von Santa Fe. Da haben wir die Familie unserer ehemaligen Austauschstudentin besucht. In Franck und einigen umliegenden Gemeinden haben sich vor vielen Jahren unter anderem Schweizer (bzw. Walliser) Auswanderer niedergelassen und daher überrascht es nicht, wenn es Strassenbezeichnungen namens „Schneider“ etc. gibt und viele der Einwohner noch schweizer Nachnamen tragen. Wir wurden sehr herzlich empfangen und zum Anlass unseres Besuchs wurde sogar die erweiterte Familie sowie Bekannte eingeladen. Zudem hatten wir auch die Möglichkeit unsere Spanischkenntnisse etwas aufzubessern bzw. uns an den etwas speziellen argentinischen Dialekt zu gewöhnen. Es war echt toll einen Abend im Hause einer argentinischen Grossfamilie verbringen zu dürfen, auch wenn wir am Ende etwas erschöpft waren vom vielen Spanisch sprechen (es gibt Gerüchte, dass wir sogar ein Radiointerview gegeben haben).
Iguazu Wasserfälle
Ursprünglich wollten wir die bekannten Wasserfälle, welche im Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay liegen, nicht besuchen, da sie hunderte von Kilometern entfernt von allem liegen. Es wäre sehr schade gewesen, hätten wir das nicht gemacht. Es bedeutete aber auch, dass uns von Santa Fe aus eine sehr lange Autofahrt bevor lag. Am ersten Tag legten wir rund 500km (ca. 7h Fahrt) von Santa Fe nach Paso de los Libres durch die argentinische Pampa zurück. Pampa bedeutet, dass es stundenlang flach, dünn unbesiedelt ist und man fast nur Kühen und Pferden begegnet. Paso de los Libres blieb mir nur insofern in Erinnerung, als dass wir günstige und sehr leckere Empanadas zum Abendessen hatten. Am Tag darauf hatten wir einen noch längeren Abschnitt nach Puerto Iguazu vor uns (630km / 8h). Landschaftlich gesehen, waren die ersten sechs Stunden relativ öde und in den letzten zwei Stunden gab es doch hin und wieder einige Erhebungen, Seen, Flüsse und Wälder.
In Puerto Iguazu angekommen, wurden wir etwas erschlagen von der Hitze und wollten uns im Hotelpool abkühlen. Leider war dieser genauso erhitzt und dementsprechend blieb uns nichts anderes übrig, als uns im Zimmer mit Klimaanlage abzukühlen. Am nächsten Morgen früh, machten wir uns auf, um das Highlight dieser Gegend zu erkunden – die Iguazu Wasserfälle. Die Iguazú-Wasserfälle bestehen aus 20 größeren sowie 255 kleineren Wasserfällen auf einer Ausdehnung von 2,7 Kilometern. Einige sind bis zu 82 Meter, der Großteil ist 64 Meter hoch. Normalerweise könnte man diese von der argentinischen und brasilianischen Seite betrachten, aber aufgrund der Pandemie blieb uns nur die argentinische. Online hiess es zudem auch immer, dass dies sowieso die schönere Seite sei. Wir können das nicht beurteilen. Die argentinische Seite bietet verschiedene Trails, auf denen man die riesigen Wasserfälle von verschiedenen Orten betrachten konnte. Wir haben zuerst Teile des „Inferior Circuits“ (unterer Rundweg) erkundigt, wo man eine fantastische Sicht auf die Wasserfälle hat, die aussehen wie Vorhänge und sich über eine weite Strecke ausdehnen.

Etwas später hatten wir ein Ticket für den Zug, welcher uns zum Hauptwasserfall Garganta del Diablo (dt. Teufelsschlund) brachte. Von der Zugstation mussten wir ca. einen Kilometer über einen Steg laufen, der uns zum Hauptwasserfall führte. Dort angekommen, waren wir völlig hin- und weggerissen von der unglaublichen Wassermenge, die dort das Loch herabdonnerte. Da wir etwas zügig gelaufen sind, konnten wir uns noch gute Aussichtsplätze entlang des Stegs ergattern, bevor dann eine Menschenmasse den Aussichtspunkt zu belagern begann (gemäss einer Parkmitarbeiterin hatte es zu der Zeit aber viel weniger Besucher als in der Hauptsaison im Januar.

Wieder zurück an der Station mussten wir feststellen, dass unser Zug erst in über einer Stunde fährt, also haben wir uns entschieden, den 2-3 Kilometer langen Rückweg zu Fuss zu bewältigen. Der ist nichts Spezielles, aber wir hatten keine Lust so lange zu warten. Wieder zurück am Ausgangspunkt, entschieden wir uns den „Superior Circuit“ (oberer Rundweg) zu bestreiten. Die Aussicht war in Ordnung, jedoch hat uns der untere Rundweg etwas besser gefallen. Das Highlight des Trails waren die Äffchen, die wir auf dem Rückweg gesehen haben.

Zu guter Letzt folgten wir dem Tipp, dass wir eine Tour machen sollen, die uns mit dem Boot zum Wasserfall brachte. Die Tour ist nicht ganz günstig, dauert ca. 2h und böse Zungen würden sie als Massenabfertigung bezeichnen. Dennoch war es beeindruckend, die brasilianische und argentinische Seite des Wasserfalls von ganz nahem zu sehen. Mit nah meine ich, das Boot ist dreimal unter einen der Wasserfälle gefahren und wir wurden bis auf die Knochen nass, was bei dieser Hitze eine Abkühlung und ein echter Spass war. Die „Cataratas de Iguazu“ waren zutiefst beeindruckend und wir waren froh, dass wir die lange Reise auf uns genommen haben.

Salta
Nach Iguazu standen uns zwei lange Tage des Autofahrens bevor. Wir wollten vom Nordosten des Landes in den Nordwesten gelangen und Argentinien ist bekanntlich etwas grösser als die Schweiz. Den ersten Streckenabschnitt von 631km nach Resistencia bewältigten wir in ca. 8 Stunden. Pause haben wir gemacht, um einen zerfallenen Jesuitentempel in San Ignacio anzuschauen und einmal, um Kevin ein Zmittag zu beschaffen. Das Schnitzelbrot hatte die Grösse seines Kopfs und zu niemandes Erstaunen hat er alles auf einmal verputzt. Für mich hat es Chipa gegeben (auch Pan de Queso genannt oder in Bolivien als Cuñapé bekannt), welches hauptsächlich aus Käse und Maniokmehl besteht. Ein echter Leckerbissen.
Am zweiten Tag stand uns eine 818km lange Fahrt nach Salta bevor, wobei die reine Fahrzeit zwischen 9 und 10 Stunden betrug. Davon ging es mindestens 7 Stunden einfach geradeaus durch die Pampa. Keine Kurve, nichts. Den Strassenrand zierten hin- und wieder Kühe und nicht selten ritt uns ein Gaucho auf seinem Pferd entgegen (so richtig klischeehaft). Unsere Fahrt wurde öfters von Polizeikontrollen unterbrochen (scheint bei Provinzüberquerungen in Argentinien so üblich zu sein) und einmal wurde unsere Weiterfahrt aufgrund einer Demonstration mitten im Nirgendwo verzögert. Es war fast eine Erleichterung als endlich Berge am Horizont erschienen und die Strasse 2-3 Stunden vor Salta wieder etwas kurviger wurde. Nachdem ich die lebendige Innenstadt von Salta begutachtet habe und Kevin das Fitness erkundigte, gönnten wir uns Empanadas und Bier, bevor wir erschöpft ins Bett gingen (p.s. ich fand die Empanadas des Nordens schmeckten am besten).

Humahuaca
Am nächsten Morgen fuhren wir früh los in Richtung Norden. Endziel war das Städtchen Humahuaca, welches auf rund 3’000 Metern über Meer liegt. Die Landschaft auf der ganzen Fahrt war jedoch schon wunderschön. Während wir anfangs über einen Pass mit engen Strassen fuhren, wo alles sehr grün war, veränderte sich die Landschaft ab San Salvador de Jujuy. Bäume verschwanden und die Berge wiesen immer öfters eine orange bzw. rötliche Farbe auf. Hin und wieder schienen Teile eines Bergs gelb und bei einer Pause am Strassenrand hatte es lauter lila und pinke Steine. Bevor wir zu unserem Hotel gelangten, durchquerten wir die Stadt Humuhuaca und folgten einer rund 18km langen Schotterpiste, um auf 4’200 Meter über Meer zu gelangen (unsere erste von seeeehr vielen Schotterpisten in Argentinien). Dort befindet sich der Aussichtspunkt auf den „Cerro de 14 Colores“ (Berg mit den 14 Farben).

Eigentlich war es eher eine sehr bunte Bergkette, als nur ein einziger Berg (auch bekannt als Quebrada de Humahuaca). Wir waren hin und weg von dem was sich uns dort zeigte. Die Bergkette war wie ein einziger Regenbogen und keins der Bilder, welche wir geschossen haben, wird dem gerecht, was wir vor Ort gesehen haben. Zum Glück haben wir noch nicht zu Mittag gegessen, also haben wir nach einer kurzen Wanderung zu einem weiteren Aussichtspunkt gleich dort gepicknickt und die Landschaft bestaunt.

Anfangs noch etwas beeindruckt, dass unser kleiner Chevy diese Strecke unbeschadet überstanden hatte, holte uns auf der Rückfahrt das Pech ein. Kurz nachdem wir am Strassenrand einige Vicuñas bestaunt hatten, platzte der Vorderreifen. Also musste Kevin bei wehendem Wind und drohendem Regenfall den Reifen wechseln und hofften die ganze restliche Rückfahrt, dass es bei dem Reifen bleiben möge. Nachdem wir uns in einer Garage einen Ersatzreifen beschafft haben, konnten wir endlich ins Hostel einchecken. Das Städchen Humahuaca selbst ist herzig, wenn aber auch etwas verschlafen. Da wir aber wieder in den Anden waren und in diesem Teil Argentiniens die meisten indigenen Personen leben, hatte es wieder diese typischen Anden-Vibes (Einrichtung, traditionelle Kleider, Essen etc.) wie in Bolivien, was uns schon sehr gefällt.

Am nächsten Tag fuhren wir dem Regen davon und wurden zum Glück auch davon verschont, als wir im Städtchen Purmamarca einen Halt einlegten. Purmamarca hat seinen eigenen Regenbogenberg gleich neben der Stadt (auch wenn dieser winzig war im Vergleich zum Vortag) und ist weitaus touristischer als Humahuaca. Dennoch versprühte es mit seinem Hauptplatz und dem Markt Charme, sodass wir etwas verweilten. Nachdem Kevin dann seinen eigenen Mate-Becher inkl. Gravur ergattert hatte, ging es zurück nach Salta für eine weitere Nacht.

Cafayate
Als wir in Salta losgefahren sind, hat es in Strömen geregnet. Und es ist nicht so, als gäbe es in Argentinien Systeme, wo das Regenwasser abfliessen könnte. Also bleibt es auf der Strasse. Nach einer Stunde Fahrt durch Dörfer und Pfützen, liess der Regen endlich nach und die Landschaft wurde immer schöner. So schlängelten wir uns mit unserem Chevy durch die Berge hindurch und bestaunten die Landschaft.

Wir (oder ich) hätten echt alle 5 Minuten anhalten können, um die veränderte Szenerie zu fotografieren. Bei einem Aussichtspunkt picknickten wir, bevor wir dann in Richtung Cafayate weiterfuhren.

Je näher wir nach Cafayate gelangten, desto trockener wurde die Landschaft. Kurz vor Cafayate erschien die Felsformation „Quebrada de las Conchas“, welche aufgrund ihrer Farbe etwas an den wilden Westen erinnert.

Cafayate liegt auf ca. 1’700 Metern über Meer und ist bekannt als eine der Weinregionen von Argentinien. Die Weinreben liegen zwischen 1’700 und 2’500 Metern und damit gehört Cafayate zu den höchst gelegenen Weingebieten der Welt und für uns der perfekte Ort, um die Weihnachtstage zu verbringen. Den 24. Dezember verbrachten wir mit Degustationen auf Weingütern, da in den Folgetagen alles zu hatte. Das erste Weingut hiess „Finca de las Nubes“, welches recht klein, aber herzig war. Bei der Führung erfuhren wir viele interessante Dinge über die argentinische Weinkultur, wie beispielsweise, dass es den Argentiniern eigentlich egal sei, wie man den Wein trinke (pur oder gemixt mit anderen Getränken). Die Gesellschaft seie das Wichtigste (wir haben uns zuvor schon gefragt, ob das mit dem Eis im Weiss- UND Rotwein wirklich normal sei). Da wir etwas Zeit bis zur nächsten Degustation hatten, tranken wir im schönen Garten eine Flasche Torrontes begleitet von leckeren Empanadas.

Die zweite Tageshälfte verbrachten wir auf dem Piatelli Weingut, welches um einiges grösser und kommerzieller ist. Interessant war, dass wir die Weine ihres Guts in Cafayate mit denen ihres Guts in Mendoza vergleichen konnten. Abends sollten wir beim hoteleigenen Weihnachtsdinner unsere schlechteste und teuerste Speise auf unserer ganzen Argentinienreise erhalten. Glücklicherweise wurde der ausdrücklichen Beschwerde von Kevin stattgegeben und wir erhielten das Menü umsonst. Den Tag darauf verbrachten wir im Spa und am Hotelpool, denn die Weingüter hatten am 25. Dezember zu und das Städtchen selbst versprüht nicht wirklich Charme.
San Miguel de Tucuman, La Rioja und San Juan
Wir befanden uns nach Cafayate vorerst nur sehr kurz auf der berühmten Ruta 40, bevor wir dann einen Abstecher nach San Miguel de Tucuman machten. Der Weg dorthin führte uns über einen Pass, bevor wir dann wieder in das etwas öde Flachland gerieten. Unser Lonely Planet beschrieb San Miguel de Tucuman als «aufstrebend». Was auch immer das bedeuten mag. Wir fanden es nicht so sehenswert und vor allem war es brütend heiss. Weiter fuhren wir in das Städtchen «La Rioja», was auch ganz in Ordnung war. Am dritten Tag fuhren wir durch den Parque Provincial Ischigualasto in Richtung San Juan, was im Norden von Mendoza liegt. Die Landschaft unterwegs war echt beeindruckend und voller Riesenkakteen, die Teilweise höher waren, als die umliegenden Bäume. Kurz vor San Juan landeten wir wieder auf der Ruta 40. Die Ruta Nacional 40 ist mit 5301 km die längste Nationalstraße Argentiniens und gleichzeitig eine der längsten Fernstraßen der Welt. San Juan ist auch als Weinregion bekannt, halt einfach viel kleiner als Mendoza. Da es immer noch erdrückend heiss war, verbrachten wir den Tag an einem Fluss nahe der Stadt. Dabei hat sich Kevin einen echt fiesen Sonnenbrand geholt. Aber damit kann man auch nicht rechnen, wenn man sich nicht eincremt. Gegen den späteren Nachmittag probierten wir noch etwas lokalen Wein auf einem Weingut und stockten unseren Notfallwein für unterwegs auf.

Mendoza
Von San Juan dauerte die Fahrt nach Mendoza nur zwei Stunden, dennoch war sie etwas beschwerlich, da es total windig und neblig war. Mendoza durchquerten wir eigentlich gleich, um südlich davon das Mittagessen mit Weinbegleitung im Bodega Renacer zu testen. Und dieses war eine Wucht. Das Essen war richtig lecker und der passende Wein wurde immer sehr grosszügig nachgeschenkt. Zudem war die Aussicht auf die (Wein-)berge wunderschön. Es war ausserdem mit Abstand das günstigste Zmittag mit Weinbegleitung, welches wir hatten (18 Fr. pro Person). Wir hätten nicht besser in Mendoza ankommen können und ich empfehle allen, in Mendoza zum Bodega Renacer zu fahren.

Tags darauf fuhren wir zur Casa Vigil (des Weins «El Enemigo», von dem wir bei einer Mövenpick-Degustation in Zürich bereits begeistert waren), wo wir für fast denselben Preis des Vortages nur eine Führung und Degustation erhielten. Dennoch war diese sehr abwechslungsreich, der Wein super (das wussten wir zwar schon) und die Location wunderschön.


Da es in Mendoza nur so von Bodegas wimmelt, schauten wir uns danach noch das Bodega Benegas an, wo wir im kühlen Keller ihren leckeren Wein degustieren konnten.

Abends war Silvester und wir hatten keinen Plan was wir machen sollen. Dieser Entscheid wurde uns dann aber abgenommen, da de facto gar nichts offen hatte. Danach fassten wir den Entschluss unser Silvesterdinner im Burger King zu verbringen, welcher aber auch zu war. So schlenderten wir mit unserem neuen Freund, einem Pitbull, durch die Strassen Mendozas, kauften Cracker, Chips und Frischkäse. Diese genossen wir zusammen mit witzigen Youtube Videos im Hotelzimmer, auch ganz toll :).

Am nächsten Tag sind wir früh aufgestanden und fuhren in die Berge, in Richtung der chilenischen Grenze, um uns den den Cerro Aconcagua anzuschauen. Die Fahrt dorthin dauerte rund 2-3 Stunden und die Landschaft war echt schön. Der Cerro Aconcagua ist 6’961 Meter hoch und der höchste Berg ausserhalb Asiens. Dass wir den nicht erklimmen ist ja wohl klar, man kann jedoch auch kleinere Wanderungen mit Sicht auf den Berg machen. Nachdem wir alle die Aussichtspunkte hinter uns gelassen hatten, waren wir fast alleine, einzig der sehr sehr starke Wind hat etwas gestört. Der Ausflug hat sich aber sehr gelohnt und eine Weinpause hat uns auch mal gut getan :).

Valle de Uco
Unser nächstes Ziel war das Valle de Uco, welches rund eine Stunde südlich der Stadt Mendoza liegt. Das Valle de Uco ist eine Weinregion, welche auch zum Mendoza Weingebiet gehört. Auf dem Weg dorthin haben wir einen Zwischenhalt in Dieter Meier’s -Bodega «Ojo de Agua» eingelegt, um ein weiteres Zmittag mit Weinbegleitung zu geniessen. Die Szenerie mit den Tischen unter grossen Bäumen mit Aussicht auf die Berge des Uco-Tals war wunderschön. Auch das Essen und der Wein waren gut, aber an diesem Punkt war es einfach schwierig, das Erlebnis im Bodega Renacer zu schlagen.

In der Unterkunft angekommen, wurden wir fast von der Hitze erschlagen und da es keine Klimaanlage hatte, besserte sich das auch nicht wirklich. Und da wir aus diesem Grund die Balkontür offenliessen, schlich sich in der Nacht der junge Hund der Nachbarn mehrmals in unsere Unterkunft und musste wieder höflich herausbegleitet werden :D.

Am nächsten Tag assen wir im Restaurant «Ruda» zu Mittag, auch begleitet von Wein. Deren Konzept war aber etwas anders. So bestellte man einfach mehrere kleine Teller von verschiedenen Gerichten. Also so quasi Tapas. Das Essen war unglaublich lecker und die Einrichtung sowie die Aussicht bestanden den Vibe-check. Und falls man sich vielleicht an dieser Stelle fragen sollte, wie das mit der Auswahl an vegetarischen Gerichten in Argentinien so sei, kann ich versichern, dass ich nicht zu kurz kam. Es gab auch für mich immer und überall eine Option. Nach dem Mittagessen tourten wir noch ein wenig mit unserem Auto durch das ansehnliche Uco-Tal, bevor wir dann wieder in unsere sauheisse Unterkunft zurückkehrten.

Unser nächstes Etappenziel – San Martin de los Andes – lag bereits im Norden Patagoniens, was dann im nächsten Blogpost abgehandelt wird. Den zweiten Teil findet ihr unten verlinkt.

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