Ecuador (Festland)

Am 12. Oktober setzten wir unsere Füsse auf den amerikanischen Kontinent, genauer gesagt, wir landeten in Quito, Ecuador. Damit sollte auch unser offizieller Backpacking Trip durch Südamerika beginnen.

Quito

Die ersten vier Tage verbrachten wir in der Hauptstadt von Ecuador, Quito. Quito befindet sich auf 2850 m.ü.M. und hat ca. 2.7 Mio. Einwohner. Wir haben uns in einem Airbnb in der Nähe der Altstadt Quitos einquartiert und begutachteten diese gleich am ersten Tag. Wir schlenderten durch die Strassen, tranken Kaffee und schauten den unzähligen Strassenverkäufern zu, die ihre Waren lautstark anpriesen. Am späteren Nachmittag besuchten wir dann die «Basilica del Voto Nacional», die gemäss Google die grösste neugotische Basilika Amerikas sei.

Speziell ist, dass man die Türme der Kirche erklimmen kann. Erklimmen ist in diesem Zusammenhang das richtige Wort, denn nachdem wir auf schmalen Brettern über das Kirchenschiff gelaufen sind, mussten wir zwei Leitern (sorry das waren keine Treppen mehr) im Freien hochklettern. Für die Aussicht auf die zwei Türme, die Stadt, die umliegenden Berge und in der Ferne die «Virgen del Panecillo»-Statue lohnte sich der Aufwand jedoch allemal (auch wenn ich – Marina – oben weiche Knie hatte).

Am nächsten Tag wollten wir mit einer Gondel auf ca. 4’000 Meter hoch und die Stadt von weit oben begutachten. Leider mussten wir dann vor Ort feststellen, dass die Bahn aufgrund von Wartungsarbeiten bis auf Weiteres geschlossen war. Naja Planänderung – wir schnappten uns ein Uber auf den Hügel der «Virgen del Panecillo». Die Jungfrau Statue ist 41 Meter hoch und überblickt die Altstadt von Quito. Die Erhebung bot zudem eine Aussicht auf fast die ganze Stadt sowie auch die Berge und Vulkane, die immer wieder in den Wolken verschwanden.

Zugegebenermassen wurde es uns am dritten Tag etwas langweilig, weil wir doch schon relativ viel gesehen haben und die Stadt zwar schöne Ecken hatte, uns aber nicht voll aus den Socken gehauen hat. Zudem hatten wir etwas Mühe damit, dass wir uns nach Einbruch der Dunkelheit nur mit dem Uber oder Taxi fortbewegen konnten, da es zurzeit sehr gefährlich sei. Hinzu kam, dass es in der Regel am frühen Nachmittag zu regnen begann. Darum entschieden wir uns, am letzten Tag einen Schokoladenkurs zu machen. Wir lernten dabei den ganzen Prozess der Schokoladenherstellung, vom Rösten, übers Schälen bis hin zum Mahlen kennen (selbstverständlich mit ecuadorianischen Kakaobohnen). Genossen haben wir die frische Schokolade mit Früchten und einem ecuadorianischen Drink (Zuckerrohrschnaps mit Naranjilla).

Beim Schälen von gerösteten Kakaobohnen

Otavalo

Am nächsten Tag schnappten wir uns den Bus in die Stadt Otavalo, im Norden von Quito. Die Stadt ist unter anderem bekannt für den grössten indigenen Markt Südamerikas. Durch diesen schlenderten wir dann auch, landeten aber schliesslich hauptsächlich bei den Essensständen :). Am nächsten Tag wollten wir eine naheliegende Lagune erkunden, leider machte uns aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Also joggten wir stattdessen zu dem näher gelegenen Wasserfall «Cascada Peguche» (Wasserfall und rennen machen sowieso nass) und schauten uns diesen an. Der Wasserfall sowie der dazugehörige Wald waren echt sehenswert. Den Rest der Zeit verbrachten wir in Cafés.

Nach Otavalo ging’s nochmal für zwei Tage zurück nach Quito. Nicht weil wir das Gefühl hatten, noch was sehen zu wollen, sondern weil wir auf Beni und Kuni trafen, die schon seit einiger Zeit in Ecuador waren. Mit ihnen liessen wir die Tage in Quito etwas ruhig angehen, gingen ins Kino und spielten Uno.

Latacunga

Nachdem sich unsere Wege wieder getrennt hatten, zog es Kevin und mich weiter nach Latacunga. Die Stadt liegt ca. 2h südlich von Quito und bietet eine gute Ausgangslage für Ausflüge auf umliegende Vulkane.

Am ersten Tag schauten wir uns die Lagune Quilotoa auf ca. 4’000 M.ü.M. an, die ein riesengrosser Kratersee ist. Zumindest war dies der Plan. Da wir die «Station» Quilotoa verpassten, mussten wir einige Kilometer zurücklaufen. Glücklicherweise nahm uns dann aber nach einigen Minuten eine ecuadorianische Familie in ihrem Auto mit. Geld wollten sie dafür keines, aber wir sollen bei Gott ein gutes Wort für sie einlegen. Machen wir natürlich J. Endlich angekommen, genossen wir die Aussicht, wanderten einige Kilometer dem Kraterrand entlang, bevor dann mittags (wie so oft) Wolken aufzogen und es zu schütten begann. Jaja, wir hätten auch den bekannten 3-Tagestrek zur Lagune machen können, waren aber schlichtweg zu faul dafür .

Tags darauf fuhren wir in den Cotopaxi Nationalpark, wo auch der gleichnamige Vulkan Cotopaxi steht.

Am Eingang des Nationalparks Cotopaxi

Mit einem 4×4 und unserem Guide Francisco fuhren wir die Schotterpisten zum Vulkan hoch, wobei wir noch einen Zwischenhalt bei einem See einlegten, um die Aussicht auf den Vulkan und verschiedene Vögel zu geniessen. Dann ging’s weiter auf ca. 4’500 M.ü.M. wo wir den Jeep parkten und uns zu Fuss zum Refugio aufmachten. Dieses liegt auf rund 4’860 M.ü.M. und der Aufstieg hatte es in sich. Zumindest für uns :). Beim Refugio angekommen tranken wir eine heisse Schokolade, bevor’s mir schwindlig wurde und wir uns auf den Rückweg begaben. Der Cotopaxi selbst ist ca. 5’900m hoch und könnte mit entsprechender Ausrüstung und Akklimatisierung bestiegen werden. Das Refugio hat es für uns aber auch getan.

Auf dem Rückweg und bereits im Auto hörten wir dann einen lauten, ohrenbetäubenden Knall. Ich habe schon damit gerechnet, dass der Vulkan ausgebrochen sei. Jedoch begann es heftig zu gewittern und regnen und wir waren überaus dankbar dafür, dass wir am Morgen bereits früh gestartet waren.

Latacunga selbst ist in Ordnung aber nicht meeega sehenswert, darum zog es uns Tags darauf weiter.

Baños

Baños liegt etwas weiter im Süden und «nur» auf 1’800 Metern über Meer. Dementsprechend ist es auch etwas grüner und wärmer als an den Orten zuvor, was uns gerade recht war. Das Städtchen hat ein wenig Hipster-Vibes und bietet in der näheren Umgebung zahlreiche Aktivitäten. Als wir am Samstag ankamen war in der Stadt die Hölle los. Die Strassen waren voll mit Leuten, Feuerwerk wurde den ganzen Tag immer wieder abgelassen, eine Art Guggenmusik spielte und irgendwelche Busse mit lauter Musik fuhren pausenlos an unserem Hostel vorbei. Wir bereuten die Wahl unseres Standorts bereits ein wenig, aber ab Sonntag war die Stadt wir ausgestorben und wir waren nicht selten fast alleine in den Restaurants. 

Baños von oben

Am Sonntag machten wir uns auf eine Wanderung zu verschiedenen Aussichtspunkten über Baños (u.a. Casa del Arbol). Anstatt der angepriesenen 2-3h waren wir dann doch mehr als 4h unterwegs. Hauptsächlich lag das daran, dass die Wanderwege in Ecuador nicht ganz so gut wie in der Schweiz beschriftet sind (quasi gar nicht) und wir hin und wieder den falschen Abzweiger erwischt haben. Das führte uns etwas durchs ecuadorianische Dickicht :). Das erklärt vielleicht auch, weshalb wir auf dem ganzen Weg keine anderen Fussgänger sahen und sich die einheimischen Touristen für die Fahrt mit dem Auto entschieden hatten. Der Aufwand hat sich aber allemal gelohnt, die Aussicht war super, auch wenn das Casa del Arbol (Baumhaus) sehr touristisch war.

Am nächsten Tag mieteten wir uns Velos und fuhren das Tal nach Rio Verde hinunter. Der Weg ist geziert von Wasserfällen und Schluchten. Den letzten Wasserfall auf dem Weg («El Pailon del Diablo») schauten wir uns dann noch etwas genauer an. Zuerst führte uns ein steiler Weg hinunter zur Schlucht, wo wir uns dann auf Empfehlung von Beni hin noch durch einen Tunnel quetschten, um den Wasserfall noch von näherem zu sehen (moll hat sich mega gelohnt). Der Wasserfall selbst und dessen Wassermassen waren aber sehr eindrücklich.

Riobamba

Nach Baños zog es uns weiter in den Süden nach Riobamba. Riobamba selbst ist nichts Aussergewöhnliches. Es ist jedoch der Ausgangspunkt für den Chimborazo. Der Vulkan Chimborazo ist mit seinen rund 6’263 M.ü.M. und aufgrund der Nähe zum Äquator der Punkt, der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernt ist bzw. der Sonne am nächsten ist. Einerseits waren wir nicht ambitioniert genug, um den Berg vollständig zu besteigen und anderseits wurde einige Tage zuvor unglücklicherweise eine Lawine ausgelöst, was dazu führte, dass Teile des Bergs gesperrt worden sind.

Ein Vicuña vor dem Chimborazo

Dennoch wollten wir uns den Vulkan nicht gänzlich entgehen lassen und entschieden uns für eine Tour, bei der wir den Berg mit dem Velo herunterradeln konnten. Wir hatten Glück mit dem Wetter und konnten den Chimborazo fast die ganze Fahrt begutachten, ohne dass die Wolken uns die Sicht verdeckt haben. Zudem sind in der Umgebung viele wilde Vicuñas (eine Art Lama/Alpaka) heimisch, was die Abfahrt perfekt gemacht hat. Hinter jeder Kurve liess sich wieder eine andere Herde der schüchternen Tiere blicken. Und wenn man sich ruhig anschlich, konnte man das ein oder andere Foto schiessen.

Cuenca

Nach den zwei Tagen in Riobamba stand uns eine rund 5-6 stündige Busfahrt nach Cuenca bevor. Als wäre dem nicht genug, musste der Bus nach ungefähr 2 Stunden wieder umkehren, da eine Strasse gesperrt war. Wieder kurz vor Riobamba, wechselten wir auf einen anderen Bus, der eine andere, längere Route nach Cuenca einschlug. Das führte schliesslich dazu, dass wir mehr als 10 Stunden Bus gefahren sind, ohne Essens- und fast ohne WC-Pause, bevor wir dann endlich abends spät in Cuenca eintrafen. Leider hat die lange Busreise auch unsere Pläne etwas durcheinandergebracht. Wir wollten noch am Ankunftstag die Stadt besichtigen und tags darauf in den Cajas Nationalpark gehen. Nun ja, wir liessen den Nationalpark zu Gunsten der Stadt aus und nahmen uns einen ganzen Tag Zeit, um Cuenca zu besichtigen.

Cuenca liegt auf ca. 2’500 M.ü.M. und verfügt über viele schöne Strässchen, Kirchen und Cafés. Als erstes besichtigten wir die Kathedrale von Cuenca, die noch relativ neu (1975 fertiggestellt), aber dennoch sehr eindrücklich ist. Nachdem wir die Kirche von innen begutachtet hatten, stiegen wir die Treppen zu einer Terrasse auf dem Dach der Kirche hoch. Die Terrasse bot einen Ausblick auf die Stadt und die verschiedenen Kirchentürme. Das war ganz nett, jedoch war die Aussicht von der «Basilica del Voto Nacional» in Quito schon noch etwas imposanter.

Generell hat uns Cuenca aber sehr gut gefallen, vorallem im Vergleich mit anderen ecuadorianischen Städten. Wir hätten uns gewünscht, dass wir für Cuenca noch etwas mehr Zeit eingeplant hätten. Jedoch mussten wir weiter nach Guayaquil, da es von dort aus auf die Galapagos Inseln ging.

Guayaquil

In Guayaquil waren wir bewusst nur auf der Durchreise, da der Stadt ein zwielichtiger Ruf vorauseilt (aktuell herrscht gar Ausnahmezustand) und wir auch keine Lust auf eine weitere Grossstadt hatten. So schliefen wir in der Nähe des Flughafens, um bei Zeiten auf unserem Flug auf die Galapagos Inseln zu sein. Die Galapagos Inseln handeln wir dann in einem separaten Bericht ab.

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