Das letzte Land auf meiner dreimonatigen Reise war Japan. 18 Tage sollte ich auf der Insel im pazifischen Ozean verbringen und die Zeit ging (leider) wie im Flug vorbei.
Ich bin frühmorgens in Tokyo Narita gelandet und hatte echt Bammel vor der japanischen Großstadt beziehungsweise dem Flughafen. Als wir vor 15 Jahren einen Zwischenstopp in der Metropole eingelegt haben, kam mir alles total chaotisch und völlig ungewohnt vor.
Kamakura
Ich schnappte mir den Bummlerzug (echt unkompliziert) nach Kamakura, einer Stadt die südlich von Tokyo liegt und wollte mir den Ort anschauen, bevor Beni und Kuni am späten Tag von Hongkong eintrafen. Die Stadt ist bekannt für den bronzenen Grossen Buddha, der aus dem Jahr 1252 stammt und bis jetzt sämtlichen Erdbeben und Tsunamis die Stirn geboten hat. Am späteren Nachmittag habe ich mir weitere Tempel angesehen und bin durch die Strassen von Kamakura geschlendert. Nach dem Abendessen schnappte ich mir den nächsten Zug zurück nach Tokyo und war ungemein froh darüber, mich mit meinem Rucksack durch die abendliche Rushhour Tokyos zwängen zu dürfen :).

Fuji-Q / Lake Kawaguchiko
Am nächsten morgen, nun vereint mit Beni und Kuni, fuhren wir mit dem Auto los in Richtung Fuji-Q Highlands, einem Freizeitpark der zwar nicht gross ist, aber dessen Bahnen es echt in sich hatten. Vier der Achterbahnen des Parks haben zwischenzeitlich Weltrekorde gehalten (schnellste Bahn, meiste Drehungen um die eigene Achse etc.), also nichts für Zartbesaitete. Genächtigt haben wir in Kawaguchiko, wo wir am nächsten morgen fantastische Ausblicke auf eines der bekanntesten Motive Japan’s hatten: den Mt. Fuji.

Hakone
Am späteren Nachmittag fuhren wir weiter nach Hakone, wo wir die Seilbahn auf den Mt. Hakone (Owakudani), einer aktiven vulkanischen Zone, nahmen. Da es stark gewindet hatte, konnten wir nicht viel anderes machen als Eier zu essen, welche durch die Garung in Schwefelwasserquellen schwarz werden. P.S. Sie schmecken nicht anders als normale Eier. Am Abend besuchten wir ein traditionelles Onsen (heisse Quelle), für die Hakone bekannt ist.

Tokyo
Am nächsten morgen fuhren wir zurück nach Tokyo, wo Corina uns erwartete. Den restlichen Tag verbrachten wir mit Sightseeing in Harajuku und Shibuya, die zu den belebtesten und abgefahrensten Vierteln Tokyos zählen. Am Abend bummelten wir mit der Metro in einen Vorort Tokyos und trafen einen Freund von Beni und seiner Frau und genossen Abendessen in einem typischen japanischen Lokal. Anschliessend hiess es Abschied zu nehmen von Beni und Kuni. Von nun an waren wir Blondies auf uns alleine gestellt ;).

Die nächsten drei Tage verbrachten wir damit, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuss und mit der Metro abzurackern. In strömenden Regen schauten wir uns den Kaiserpalast an. Weiter besichtigten wir den Senso-ji Tempel sowie den Skytree (höchster Fernsehturm der Welt). Zudem verbrachten wir einen Nachmittag im kunterbunten, abgefahrenen Akihabara-Viertel, das als Zentrum der japanischen Manga und Anime Kultur gilt. Wie soll ich sagen, wir wurden nicht entäuscht (looking at you, Maid Café).

Die Abende verbrachten wir praktisch ausschließlich in Shinjuku, welches für mich der Inbegriff meiner Vorstellungen von Japan war. Kunterbunt leuchteten die Gebäude und die Strassen waren geziert von Bars, Restaurants und Spielsalons. Unsere Erkundungstour brachte uns schliesslich ins Golden Gai Viertel, wo es zig Bars auf kleinster Fläche gab. Eine Bar gab Platz für 6-10 Personen her und führte dazu, dass wir schnell neue Freundschaften geschlossen haben. Letztendlich sind wir jeden Abend in Golden Gai gelandet.
Nikko
Obwohl Nikko oft als Tagesausflug von Tokyo angepriesen wird, entschieden wir uns eine Nacht in der Kleinstadt zu verbringen. In Nikko angekommen, schnappten wir uns den Bus zum Chuzenji See und dem Kegon Wasserfall. Von der Landschaft her, hätte man meinen können, man sei in der Schweiz.

Auf dem Rückweg nach Nikko stoppten wir bei den berühmten Tempelanlagen, die teilweise aus dem 8. Jh. stammen. Zu dieser Tageszeit waren die meisten Tagestouristen aus Tokyo bereits wieder verschwunden und wir konnten die Anlagen in Ruhe geniessen und es war fast magisch (Meiner Meinung besser als Nara, aber dazu kommen wir später).

Am nächsten Tag fuhren wir zurück nach Tokyo, um dem Digital Arts Museum einen Besuch abzustatten, wo wir zuvor zum Glück noch Tickets ergattern konnten. Und wir wurden definitiv nicht enttäuscht. Die unterschiedlichen Kunstwerke welche mit Licht und unterstützt von Musik entwickelt werden konnten, haben uns total in den Bann gezogen. Selbst nach vier Stunden im Museum hatten wir das Gefühl, nur einen Bruchteil gesehen zu haben.

Genächtigt haben wir in Nagoya, was wir uns jedoch im Nachhinein gesehen hätten sparen können. Die Stadt war aus unserer Sicht nichts Spezielles.
Kyoto
Schon nach den ersten paar Metern in Kyoto, ehemalige Kaiserstadt Japans, wussten wir, dass es uns die Stadt angetan hat. Die Stadt bietet so viele unterschiedliche Sehenswürdigkeiten, dass wir uns schon am ersten Tag entschieden haben, 4 Nächte statt nur 3 zu bleiben.
Am morgen sind wir jeweils früh los, um die beliebtesten Sehenswürdigkeiten wie den Bambuswald, den Goldenen Pavillon sowie den Fushimi-Inari Shrine zu begutachten, was sich ausbezahlt hat. So konnten wir in Ruhe die Atmosphäre geniessen, bevor die Touristenmassen dorthin geströmt sind.

Nachmittags begutachteten wir die weiteren Tempel Kyoto’s, kauften Souveniers im Nishiki Markt, schlenderten durch das Gion Viertel und kehrten hin und wieder in ein Café auf einen Matcha Latte ein.

Abends schlemmten wir uns durch die verschiedenen Restaurants, probierten Gyozas, Nudelsuppen, Omurice und Vieles mehr. Mehr als einmal haben wir in einer Gasse angestanden, um einen Platz im Restaurant zu ergattern, was sich IMMER ausbezahlt hat. Später kehrten wir dann in Bars im Pontocho und Sanjo Viertel ein, um uns hausgemachte Pfaumenweine (Umeshu) zu genehmigen. Eines Abends haben wir sogar einen Abstecher in eine typisch japanische Karaokebar gewagt und uns die Seele aus dem Leib gesungen.
Ich hätte noch länger in Kyoto bleiben können, jedoch standen noch weitere Städte auf dem Plan, die wir uns nicht entgehen lassen wollten.
Hiroshima
Mit dem Shinkansen brausten wir in die südlichste Stadt unserer Reise. Dort angekommen, schlenderten wir dem Fluss entlang in die Stadt zum Atomic Bomb Dome. Dieses Gebäude hat als eines der Einzigen die Explosion von 1945 überstanden.

Daraufhin sahen wir uns den Peace Memorial Park sowie das Museum an, welche extrem eindrücklich waren und uns etwas sprachlos zurückgelassen haben.

Abends haben wir auf Empfehlung unseres Hostels ein Restaurant aufgesucht, welches ausschließlich Okonomyaki serviert, eine lokale Spezialität. Diese gebratenen Nudeln waren so gut, dass wir am Abend darauf dasselbe Lokal nochmals besuchten.
Miyajima Island
Frühmorgens schnappten wir uns die erste Fähre auf Miyajima Island, eine Insel die unweit von Hiroshima entfernt liegt. Die Insel ist bekannt für das große Torii Gate, einer der beliebtesten Fotomotive Japans.

Anschließend wanderten wir ca. 1 Stunde auf den Mt. Misen, mit 535 M.ü.M. die höchste Erhebung der Insel. Zur Feier des Tages wurden wir auf dem Gipfel mit einer Regenschauer beglückt. Die Wolken haben sich jedoch bald etwas verzogen und wir konnten die Aussicht erfreulicherweise doch noch etwas genießen.
Himeji Castle
Auf der Rückfahrt von Hiroshima nach Osaka (in einem Hello Kitty Shinkansen!!), stoppten wir in Himeji. Die Stadt ist hauptsächlich für die Burg bekannt, welche die größte des Landes ist. Diese haben wir uns dann auch angesehen, bevor wir in einem Restaurant die nächste Nudelsuppe geschlürft haben. Der Zwischenstopp in der Stadt hat sich vollauf gelohnt.

Osaka
Offensichtlich steht Osaka nicht bei allen Japan-Reisenden auf dem Plan, was bedauerlich ist, denn in der Stadt geht Abends echt die Post ab. Das ganze Stadtzentrum leuchtet kunterbunt und an jeder Ecke gibt es Restaurant, Bars, Spielsalons und Karaokebars. Definitiv nicht ein Ort, wo einem langweilig wird.

Am ersten Tag besuchten wir die Universal Studios, was für mich fast der perfekte Abschluss meines dreimonatigen Abenteuers war. Denn ich habe es ENDLICH in die ‚Wizarding World of Harry Potter’ geschafft. Und ja, ich habe mir einen Gryffindorumhang und Zauberstab gekauft und schäme mich nicht im Geringsten 🙂

Nara
Von Osaka aus machten wir noch einen Abstecher nach Nara, auch eine ehemalige Kaiserstadt Japans. Während mehrerer Stunden liefen wir unzählige Kilometer im Nara-Park und sahen uns diverse Tempel an.

Die Anlagen sind wirklich schön, aber wahrscheinlich haben wir in den letzten zwei Wochen schon so viele Tempel gesehen, dass uns diese von Nara nicht mehr so stark beeindruckt haben. Oder vielleicht lag es einfach an den vielen Menschen und den frechen Hirschen 😉

Zurück nach Tokyo und ab nach Hause
Leider neigte sich die Zeit in Japan (und auf meiner Reise!) dem Ende zu. In Shinjuku speisten wir ein letztes Mal Ramen und tranken nochmals unseren geliebten Umeshu, bevor es am nächsten Morgen früh in Richtung Tokyo Narita ging.
Japan hat mein Herz im Sturm erobert und ich hätte mir kein besseres Ende meines dreimonatigen Abenteuers vorstellen können. Ich glaube, bei Japan hat es mir der Mix zwischen ruhiger Natur und Tempeln sowie den belebten, bunten Städten angetan. Ganz geschweige von der japanischen Küche :).
Zudem haben wir in den insgesamt 2.5 Wochen nur einen Bruchteil des Landes gesehen und ich werde auf jedenfall zurückkommen, um mir den Rest anzusehen.
Und hier noch eine Hommage an die japanische (vegetarische) Küche:


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